Geld – Begriffe, Größen und Funktionen (2)

März 10th, 2014

Im ersten Teil unserer Beitragsserie Geld – Begriffe, Größen und Funktionen hat unser Autor Helmut Creutz die Frage gestellt, was Geld überhaupt ist. Heute wollen wir etwas tiefer in die Thematik einsteigen.

Für welche Zwecke kann man Geld benutzen?

So wie man Geld im Allgemeinen als Gegenwert für Leistungen erhält, so gibt man es im Allgemeinen auch wieder für Leistungen aus. Erhaltenes Geld kann man aber nicht nur zur Leistungsnachfrage benutzen, sondern auch zum Verschenken oder zum Verleihen. Und schließlich kann man Geld auch einfach ungenutzt liegen lassen, also aus dem Verkehr ziehen.

Benutzt man Geld zum Kaufen oder Verschenken, geht es für alle Zeit in andere Hände über. Verleiht man Geld, tritt man die Möglichkeiten seiner Nutzung nur vorübergehend ab. Hortet man dagegen Geld, fällt es für jegliche Nutzung in der Wirtschaft aus und es kommt zu einer Unterbrechung des Geldkreislaufs. Und diese Unterbrechung ist kein einmaliger Vorgang, sondern führt zu einer Kettenreaktion von Nachfrage-Ausfällen, mit der alle in der Zwischenzeit sonst möglichen Tauschvorgänge verhindert werden!

Läuft das Geld z.B. normalerweise zweimal im Monat um, dann löst z.B. eine stillgelegte 100-Euro-Note in einem Jahr Nachfrageunterbrechungen in Höhe von 2.400 Euro aus! Während also beim Kaufen, Verschenken und Verleihen der Nachfragekreislauf geschlossen bleibt, führt das Liegenlassen von Geld zu Störungen, die sich im Zeitablauf akkumulieren.

In dieser möglichen Verzögerung zwischen Leistungseinbringung und -nachfrage, also in der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes, liegt bereits einer der entscheidenden Konstruktionsfehler unseres Geldes. Denn der Tauschvorgang Leistung gegen Leistung bzw. Ware gegen Ware, der ohne Geld in einem Schritt abgewickelt wird, teilt sich durch das Geld in zwei Vorgänge auf: Ware gegen Geld – Geld gegen Ware. Da der zweite Schritt aber nicht dem ersten folgen muss, sondern erst sehr viel später (oder auch gar nicht!) erfolgen kann, wird mit jeder zwischenzeitlichen Stilllegung des Geldes der Kreislauf unterbrochen, was nur problemlos ist, wenn dies mit einer gewissen Regelmäßigkeit erfolgt. Geld ist also nicht nur ein Tauschvermittler bzw. Zwischentauschmittel und damit ein Schlüssel zum Markt, sondern es kann auch zu einem Riegel werden, der den Fortgang der Marktprozesse verhindert.

In einer Geldwirtschaft sind also Angebot und Nachfrage nur dann ausgeglichen und somit im Gleichgewicht, wenn alles eingenommene Geld regelmäßig wieder für Ausgaben genutzt wird. Da aber die Geldhaltung der Warenhaltung aus vielen praktischen Gründen überlegen ist, ist im Grunde ein ständiges Ungleichgewicht in unseren Volkswirtschaften einprogrammiert.

Warum muss man zwischen Geld und anderen Forderungs-Ausgleichmitteln unterscheiden?

Nehmen wir an, ein Installateur hat bei einem Bäcker eine Reparatur durchgeführt, für die er 100 Dollar oder Euro berechnet. Diese Rechnung kann der Bäcker begleichen

  • mit einem Geldschein über diesen Betrag oder, – wenn der Installateur dies akzeptiert – mit einem Bar- oder Verrechnungsscheck bzw. einer Überweisung

oder

  • mit einer Gegenleistung in Brot

Im ersten Fall liegt ein Forderungsausgleich durch Bezahlung vor, im zweiten durch eine Guthabenübertragung und im dritten Fall durch eine Sachleistung. Träfe die Auffassung zu, dass alles, womit man eine Forderung begleichen kann auch Geld ist, dann wäre nicht nur der Scheck Geld, sondern auch das zum Ausgleich gelieferte Brot.

Solche Gleichsetzungen sind also nicht nur begrifflich sondern auch sachlich fragwürdig. So kann die Menge des Brotes nur durch Arbeitsleistungen des Bäckers vermehrt werden und die Menge übertragbarer Guthaben nur durch Bargeldeinzahlungen bei der Bank. Die Menge des allen Vorgängen zu Grunde liegenden Bargeldes aber (und hier liegt der entscheidende Unterschied!) kann nur von den dazu befugten Notenbanken vermehrt werden. Geld ist also mehr als nur ein Zahlungsmittel, als das man auch den Scheck oder die EC-Karte ansehen kann! Oder anders ausgedrückt: Geld ist zwar (auch) ein Zahlungsmittel, aber alle anderen Zahlungsmittel sind kein Geld! Schon gar nicht das Brot, das man dem Installateur als Tauschware gegen die Reparaturarbeiten anbietet.

Außerdem setzt ein Forderungsausgleich am Markt, gleichgültig ob durch Geldzahlung, Guthabenübertragungen oder Sachleistungen vollzogen, immer eine Arbeits- oder Sparleistung des Zahlenden voraus und ist damit durch Güter am Markt gedeckt. Geld dagegen kann von den Notenbanken auch ohne Leistungsdeckung produziert und in Verkehr gebracht werden, was allerdings, wenn das im Übermaß geschieht, zur Inflationierung des Geldes, das heißt zu Kaufkraftverlusten desselben führt.

Die Unterschiedlichkeit von Geld, Scheck und Sachleistung wird ebenfalls deutlich, wenn man sich vorstellt, der Installateur würde die empfangene Gegenleistung verlieren oder verlegen:

  • Verliert er den Scheck, so bleibt seine Forderung offen und er kann den Bäcker ggfs. um eine erneute Scheckausstellung bitten.
  • Verliert er das Brot, ist sein Anspruch dagegen verwirkt und er muss den Schaden tragen.
  • Verliert er den Geldschein, sind seine Ansprüche ebenfalls erloschen. Darüber hinaus aber fügt er – wenn der Geldschein von keinem Dritten gefunden wird – durch die folgende Kette ausfallender Nachfrage auch der Allgemeinheit einen Schaden zu.

Weiter ist zu beachten, dass sowohl der Wert des Schecks als auch der des Brotes vom Wert des Bargeldes abgeleitet wird. Dessen Wert aber, bzw. richtiger: dessen Kaufkraft, ist alleine abhängig von der Mengenrelation zwischen ausgegebener Geldmenge und Wirtschaftsleistung.

Warum ist Geld der Arbeit und den Gütern überlegen?

Stellen wir uns einmal drei Wanderer vor, die abends müde und hungrig in ein Dorf kommen und sich auf ein gutes Essen freuen. Der erste der Drei hat noch einen entsprechenden Geldschein in der Tasche, der zweite einen Korb frischer Pilze im Wert des Geldscheins gesammelt und der dritte rühmt sich seiner Fähigkeit, in einer Stunde gleichwertige Arbeit leisten zu können.

Derjenige mit dem Geldschein wird im nächsten Gasthaus seinen Hunger problemlos stillen können. Der Pilzsammler wird das nur können, wenn er einen Abnehmer dafür findet. Noch schwerer hat es der Dritte im Bunde, denn ob am Abend noch jemand eine Arbeitskraft für eine Stunde sucht, ist zweifelhaft.

Noch deutlicher wird der Unterschied mit einem anderen Vergleich: Man stelle sich vor, dass die Türen eines Panzerschranks mit 10.000 Euro für 14 Tage geschlossen werden, ferner die Türen einer Markthalle mit Waren im gleichen Wert und schließlich noch die Türen eines Raumes, in dem sich fünf Menschen aufhalten, die in 14 Tagen normalerweise 10.000 Euro verdienen.

Öffnet man die Türen nach 14 Tagen, dann sind die fünf Eingeschlossenen wahrscheinlich verdurstet und die Waren in der Markthalle überwiegend verdorben. Die Geldscheine im Tresor aber sind so frisch wie vorher.

Geld ist also – im Gegensatz zu der Auffassung vieler Ökonomen – keinesfalls ein Äquivalent für Waren und Arbeit, sondern auf Grund seiner besonderen Eigenschaften und seiner Universalität diesen weit überlegen. Der deutsche Verfassungsrechtler Dieter Suhr (1939-1990) hat Geld darum als Joker im Wirtschaftsgeschehen bezeichnet, als die überlegene Karte, die begehrter ist als alle anderen. Und weil man sich wegen dieses Vorzugs nur ungern vom Geld trennt, ist es normalerweise immer knapper als die sich ihm anbietenden Waren. Knappe Güter wiederum, ganz besonders, wenn man sie problemlos aufbewahren kann, sind jedoch immer wertvoller und begehrter als alle anderen, was sich in einem damit zu erzielenden Knappheitsgewinn oder -preis niederschlägt. – Und beim Geld heißt dieser Knappheitsgewinn oder -preis: der Zins!

Woher bekommt das Geld seinen Wert?

Als Geld noch aus Gold und Silber bestand, ging sein Wert von dem des verwendeten Metalls aus. Dieser Wert wiederum wurde von der Begehrtheit, der Seltenheit und von dem Aufwand bestimmt, das Metall abzubauen und einzuschmelzen. Geld aus Gold und Silber war also letztlich selbst eine Ware, die man gegen eine andere tauschte. Heute haben allenfalls noch die kleinsten Münzen einen solchen durch das Material gedeckten Eigenwert. Der Nennwert der großen Münzen und vor allem der Scheine übersteigt dagegen die Material- und Herstellungskosten um ein Vielfaches.

Geld in Form von Gold- und Silbermünzen

Bei Gold- und Silbermünzen bestimmt sich der Wert durch das verwendete Material. Bei Geldscheinen und den heutigen Geldmünzen ist dies kaum noch der Fall
Bildquelle: Flickr, Sprott Money, CC-BY 2.0

So wie das Gold- und Silbergeld seinen wirtschaftlichen Wert letztlich aus seiner Knappheit hergeleitet hat, so ist das auch heute noch bei unserem Papiergeld der Fall. Konkret: Unser Geld erhält seinen Dauerwert alleine durch seine Mengenbegrenzung im Verhältnis zu dem Wert und Umfang der angebotenen Leistungen und Güter in der Wirtschaft. Anders ausgedrückt: Die Menge der angebotenen volkswirtschaftlichen Leistungen, dividiert durch die Menge des nachfragenden Geldes, ergibt dessen Kaufkraft.

Würde eine Notenbank, bei gleich bleibender Wirtschaftsleistung, morgen die Geldmenge verdoppeln, dann wäre also kein Geldhalter reicher, weil auch die Preise auf das Doppelte ansteigen würden. Gewinner bei einer solchen Verdoppelung wären allerdings die Schuldner, denn sie könnten ihre Schulden, aufgrund der halbierten Geld-Kaufkraft, mit halbierter Leistung tilgen. Und entsprechend würden die Gläubiger die halbe Kaufkraft ihrer Forderungen verlieren.

Diese aus der Relation zur Leistung resultierende Kaufkraft des Geldes bestimmt auch die Kaufkraft der in Geldeinheiten ausgedrückten Verrechnungsvorgänge über die Girokonten, gleichgültig welchen Umfang diese Kontenbestände auch haben. Ohne den von der Notenbank ausgegebenen und in der Menge regulierten Bargeldbestand, würde auch hier der Wert- und Preismaßstab fehlen und kaum auf andere Weise zu konstruieren sein.

Wie viel Bargeld gibt es eigentlich?

Wenn wir uns zur Beantwortung dieser Frage einmal die Entwicklung in Deutschland ansehen, dann lag die herausgegebene Bargeldmenge – ohne Kassenbestände der Kreditinstitute – Ende 1950 bei vier und Ende 2010 bei 200 Mrd Euro. Das heißt, sie hat auf das 50-fache zugenommen. Berücksichtigt man, dass die reale Wirtschaftsleistung in den gleichen 60 Jahren auf etwa das Acht- bis Zehnfache angestiegen ist, ergibt sich ein Kaufkraftverlust dieses Geldes auf ein Fünftel oder Sechstel des ursprünglichen Wertes.

Schlüsselt man die Bargeldmenge in Deutschland, dann entfielen von den 200 Mrd im Jahr 2010 rund 3 Prozent auf das Münzgeld und 97 Prozent auf das Papiergeld. Bezogen auf den Euro-Raum hatten dabei die 500-Euro-Noten mit 34 Prozent den größten Wertanteil, der zweitgrößte mit 33 Prozent entfiel auf 50-Euro-Noten, während der Wertanteil der 100-Euro-Noten nur bei 19 Prozent lag.

Legt man den Bargeldbestand von 200 Mrd in Deutschland auf die Bevölkerung von 82 Millionen um, dann errechnet sich ein Pro-Kopf-Anteil von rund 2.440 Euro und auf jeden der rund 38 Millionen Haushalte ein Anteil von 5.260 Euro. Dieser Betrag setze sich statistisch aus etwa dreieinhalb 500-Euro-Noten, drei 100-Euro-Noten und der Rest aus kleineren Noten und Münzgeld zusammen. Da aber in Wirklichkeit die durchschnittliche Bargeldhaltung je Haushalt eher bei 1.000 bis 2.000 als 5.260 Euro gelegen haben dürfte, wird wieder erkennbar, in welchem Umfang die Bargeldmenge über die von den Haushalten für die Endnachfrage tatsächlich benutzten Bestände hinausgeht.

Natürlich halten nicht nur Privathaushalte Bargeldkassen, sondern ebenfalls alle Unternehmen, Behörden usw. Gemessen an deren Umsätzen sind diese Bargeldkassen jedoch relativ klein. Und im Einzelhandel, bei dem sich täglich große Geldbeträge sammeln, werden diese Kassenbestände überwiegend auch täglich wieder bei Banken eingezahlt. Von dort kommen sie, durchweg innerhalb von zwei bis drei Tagen, durch Abhebungen der Endverbraucher wieder in den Kreislauf zurück.

Der große Bargeldüberschuss in Deutschland erklärt sich vor allem daraus, dass – laut Monatsbericht der Deutschen Bundesbank Juni 2009 – rund zwei Drittel der ausgegebenen Geldscheine im In- und Ausland gehortet werden und sogar nur etwa 10 Prozent am Geldumlauf regelmäßiger beteiligt sind. Schon in den 90er Jahren, also in der DM-Zeit, war bereits mehr als ein Drittel des gedruckten Bargelds ins Ausland verschwunden.

Die Mengen-Entwicklungen und -Anteile des Bargeldes

Die langfristigen Entwicklungen der Bargeldmenge in Deutschland gehen aus der Darstellung 2 hervor, für den Zeitraum von 1985 bis 2001 in DM und danach in Euro, unterschieden jeweils in die größten, mittleren und kleineren Noten. Besonders deutlich wird die überproportionale Entwicklung der größten Noten, die in den DM-Jahren etwa dreimal so rasch zunahmen wie die kleineren und weitgehend im Handel gebräuchlichsten Stückelungen. Ebenso geht aus der Darstellung hervor, dass nach Bekanntwerden des Umtauschs in den Euro die Ausweitungen der großen Noten bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre abgestoppt und kurz vor dem Umtausch radikal auf weniger als ein Drittel abgebaut worden sind. Das heißt, man zahlte die Scheine entweder auf Girokonten ein oder tauschte sie bei Schwarzgeld für einige Jahre in Dollar oder Schweizer Franken um. Und während die kleineren gebräuchlicheren Noten kaum reduziert wurden und nach 2001 auch nur geringfügig anstiegen, nahmen die Bestände der großen Noten nach und nach wieder auf ein Vielfaches ihrer Anfangsbestände zu. Bereits 2008 erreichten sie wieder ihren alten Überanstiegstrend, der sich nur mit der Größe der Hortungen erklären lässt und noch einmal beweist, wir irreführend der Begriff Bargeldumlauf für die ausgegebene Geldmenge ist.

Banknotenentwicklung Deutschland 1985 - 2012

Darstellung 2: Banknotenentwicklung Deutschland 1985 – 2012
Quelle: Bundesbank – Monats bzw. Jahresberichte (c) Helmut Creutz

Erfreulicherweise werden in dem vorgenannten Bundesbank-Bericht auch zum ersten Mal die fragwürdigen Verwendungen dieser großen Scheine „im Bereich der Schwarzarbeit oder des Drogenhandels“ angeführt. Und als die 500-Euro-Noten in den letzten Jahren immer rascher zunahmen und wertmäßig in Spanien fast die Hälfte der gesamten ausgegebenen Banknoten erreichten, erklärte man das einmal mit der langen Küste des Landes, über die das Gros der Rauschmittel nach Europa eingeführt würde. Und weiter wies man darauf hin, dass es in Spanien fast die Regel sei, bei Immobiliengeschäften die Hälfte der Kaufbeträge „unter dem Anwalttisch“ in bar abzuwickeln!

Beachtet man, dass in den USA der Hundert-Dollar-Schein die größte Note ist und in vielen anderen Ländern ebenfalls nur die gängigen Größen ausgegeben werden, dann müsste man diese großen Noten beim Euro – ebenso wie vorher bereits die Tausender bei der DM und dem Schweizer Franken! – eigentlich als Beihilfe zu Steuerhinterziehungen und kriminellen Taten bewerten!

Mit diesen Tatbeständen lässt sich auch erahnen, welches Inflationspotential in solchen Hortungsbeständen latent vorhanden ist, und damit auch welche selbst eingebrockten Schwierigkeiten für die Zentralbanken, die Geldmenge stabilitätsgerecht zu steuern.

Übrigens läuft jeder Geldschein etwa dreimal jährlich durch die Kassen der Notenbank-Zweigstellen. Dabei werden alle unansehnlich gewordenen oder beschädigten Scheine eingezogen und durch neue ersetzt. Dabei liegen die Laufzeiten der besonders häufig benutzten kleineren Scheine bei knapp einem Jahr, während die großen etwa drei bis vier Jahre im „Umlauf“ sind. – Die eingezogenen alten Scheine werden im Allgemeinen geschreddert, zu Briketts gepresst und verbrannt.

Wie kommt das Geld in Umlauf?

Bei der Neugründung eines Staates mit eigener Währung, wäre die gerechteste und einfachste Lösung die Ausgabe eines gleichen Kopfgeld-Startbetrags an alle Bürger. Auch nach einem Staatsbankrott wird das – meist beschönigend unter dem Begriff Währungsreform – häufig so praktiziert. So wurde beispielsweise in Westdeutschland 1948 an jeden Bürger ein Erstgeld von 40 DM ausgegeben und die gleiche Summe noch ein Mal an die Unternehmen für jeden Beschäftigten. Der Betrag wurde zwar etwas später noch auf 60 DM erweitert, aber der Wert aller darüber hinausgehenden Ersparnisse – die anfangs sogar eingefroren wurden – auf 6,5% reduziert.

Was die mit dem Wirtschaftswachstum notwendigen Ausweitungen der Geldmenge betrifft, so wird ab und zu der Vorschlag gemacht, diese durch Zuteilungen an die Bürger in den Kreislauf zu schleusen. Führt man sich jedoch einmal die anstehenden Größenordnungen vor Augen, dann wird die Fragwürdigkeit solcher Maßnahmen deutlich. So wurde in Deutschland beispielsweise die in Umlauf gegebene Euro-Bargeldmenge, die Ende 2000 bei 125 Mrd lag, bis Ende 2010 auf die bereits genannten 200 Mrd ausgeweitet und damit um 75 Mrd = 60 Prozent. Umgelegt auf alle Bürger waren das pro Kopf insgesamt rund 900 Euro und rund 90 Euro pro Jahr, was in jedem Monat mit knapp 8 Euro zu Buche schlägt! Man stelle sich angesichts dieser geringen Beträge den Aufwand vor, der mit einer solchen Geldeinschleusung über die Bürger verbunden wäre, von den Problemen eines Geldeinzugs – falls er in Inflationszeiten notwendig werden sollte – nicht zu reden.

Eher vorstellbar wäre darum eine Korrektur der Geldmenge durch eine Zuteilung des erforderlichen Mehrgeldes an den Staat, der zu einer schnellen und vollständigen Ausgabe gezwungen werden könnte, ggfs. auch zu einer Rückgabe und Reduzierung der Ausgaben, wenn die Geldmenge verringert werden muss. Aber auch dieser Weg wäre nur dann möglich, wenn die Notenbanken wirklich nur noch mit der Steuerung der Geldmenge zu tun hätten, das heißt, wenn der Geldumlauf eine verstetigte und sichere Größe wäre. So lange jedoch der tatsächliche Einsatz des Geldes eine unbekannt und unberechenbar ist, sind die Notenbanken zu ständigen Korrekturen und Feinsteuerungen der Geldmenge gezwungen. Solche Feinsteuerungen jedoch, die eine laufende Abtastung des Geldmarktes erforderlich machen, dürften heute nur über die laufend zu korrigierende kurzfristige Ausleihungen des Zentralbankgeldes an die Banken möglich sein.

Welche Vorteile hat die Geldmengensteuerung über Kredite?

Der Weg der Geldmengenregulierung durch Ausleihen des Geldes an die Banken, ist nicht nur der sensibelste, er lässt sich auch am ehesten mit den Notwendigkeiten in der Wirtschaft abstimmen. Denn die Banken fordern ihrerseits nur dann zusätzliches Geld an, wenn sie durch erhöhte Abhebungen bzw. Liquiditätsengpässe in den Kassen dazu gezwungen werden. Sammelt sich umgekehrt in den Bankkassen zuviel Bargeld an, geben sie es schnellstmöglich an die Notenbanken zurück, um ihre zinsbelasteten Schulden dort abzubauen.

So wurde über viele Jahre hinweg das von dem System der europäischen Zentralbanken herausgegebene Geld den Banken überwiegend nur für 14 Tage überlassen. Da sich diese Ausleihungen wöchentlich überlappen, fallen also jede Woche erhebliche Rückzahlungen an, die durch neue Kredite jeweils ausgeglichen werden. Aufgrund dieses häufigen Austauschs und der jeweiligen Reaktionen der Banken, können die Zentralbanken sowohl die Mengen als auch die Zinskonditionen laufend korrigieren.

Über diese Kreditvergabe an die Banken hinaus haben die Notenbanken noch die Möglichkeit, die Geldmenge durch den Kauf von Gold, Wertpapieren oder Devisen auszuweiten und ggfs. durch Verkauf dieser Werte auch wieder zu reduzieren. Diese auf dem Kaufweg über den „Offenen Markt“ erworbenen Werte dienen auch als eine Art von Notreserve, mit der z.B. kurzfristig auf Ausschläge der Wechselkurse oder Banken-Kalamitäten reagiert werden kann.

Zu einer Ausweitung der Geldmenge durch Ankauf von Devisen kommt es vor allem in Ländern mit Exportüberschüssen, da die Exporteure ihre Einnahmen in ausländischer Währung bei den Banken gegen die eigene Währung eintauschen. Diese tun dasselbe dann wieder bei der Notenbank. Hat sich die Notenbank nun zu einem Ankauf der Devisen verpflichtet, muss sie mehr Geld drucken als erforderlich ist, womit die Gefahr inflationärer Entwicklungen besteht, der so genannten importierten Inflation. Das war zum Beispiel auf Grund der in Bretton Woods festgelegten Dollarkurse bis in die 1970er Jahre der Fall.

Eine inflationsfreie Ausweitung der Geldmenge ist also nur gegeben, wenn sie im Gleichschritt mit der Wirtschaftsleistung erfolgt. Das aber ist heute noch nicht einmal bei der Geldausgabe über die Geschäftsbanken garantiert, da der Mehrbedarf am Bankschalter sowohl aus veränderten Zahlungsgewohnheiten als auch aus wirtschafts- oder spekulationsbedingten Mehrbedarf und verstärkter Liquiditätsvorliebe resultieren kann.

Woher bekommen die Notenbanken das Geld?

Das Papiergeld lassen die Notenbanken im Allgemeinen in speziellen Druckereien herstellen. Das heißt, die Notenbanken “schöpfen” Geld gewissermaßen aus dem Nichts und da dazu nur Papier und Farbe benötigt wird, sind die Herstellungskosten entsprechend gering. Beim Euro liegen sie pro Schein bei etwa zehn Cent.

Manchmal wird darum auch angenommen, die das Geld ausgebenden Notenbanken könnten den Differenzbetrag zwischen Herstellungskosten und Nennwert einstecken und sich somit unbotmäßig bereichern. Das wäre sicherlich so, wenn sie das Geld durch Kauf irgendwelcher Güter oder Wertgegenstände für den Eigengebrauch in den Umlauf bringen würden. Die Ankäufe der Notenbanken betreffen jedoch nur Gold, Devisen, Pfandbriefe usw., also Wertbestände, die gewissermaßen als ein Spartopf der Gesamtgesellschaft zu betrachten sind. Da diese angekauften Werte größtenteils zinsbringend eingesetzt werden, bzw. die Notenbanken für das an die Geschäftsbanken ausgeliehene Geld Zinsen verlangen, resultieren aus diesen Geschäften jedoch laufende Zinseinnahmen.

Mit diesen Zinseinnahmen finanzieren die Notenbanken zuerst einmal ihren recht aufwendigen Apparat und vor allem auch die Geldherstellung und -Betreuung. Darüber hinausgehende Einnahmen werden im Allgemeinen an die Staatshaushalte abgeführt. Das trifft weitgehend auch auf die wenigen privat und auf Aktienbasis organisierten Notenbanken zu, da sich deren Anteile überwiegend wiederum in den Händen staatlicher Stellen befinden.

Anders als beim Papiergeld liegt die Produktion des Münzgeldes, als Überbleibsel früherer Rechte, in den meisten Ländern noch in den Händen der Regierungen. Diese verkaufen die Münzen zum Nennwert an die Notenbanken, die ihrerseits den Staaten dafür Zentralbankguthaben einräumen. Da die Prägekosten der Münzen im Allgemeinen weit unter dem Nennwert liegen (sieht man von den kleinsten Münzen ab), verbleibt für den jeweiligen Finanzminister ein hübscher Gewinn, der als Einnahmen aus dem Münzregal in Deutschland z.B. mit etlichen hundert Millionen pro Jahr zu Buche schlägt. Allerdings dürfen auch die Regierungen nur in dem Umfang Münzen prägen, wie die Notenbanken – die ihrerseits wieder auf die Nachforderungen der Geschäftsbanken reagieren – sie nachfordern. – Mit den Ursachen und Folgen dieser Schwankungen der Bargeldnachfrage und -haltung werden wir uns später noch eingehender befassen.

Wem gehört das Geld?

Wer eine Sache herstellt, ist normalerweise ihr Eigentümer, auch wenn er sie – mit oder ohne Gebühren – anderen zur Nutzung überlässt.

Werden z.B. den Reisenden auf den Bahnhöfen Kofferkulis zur Verfügung gestellt, dann sind diese Eigentum der Bahngesellschaft und die Reisenden nur vorübergehende Nutzer. Man sollte meinen, dass dies beim Geld genauso ist. Hier aber gilt im Allgemeinen immer noch (obwohl das heutige Geld eine öffentliche Einrichtung ist!) dass jeder, der einen Geldschein in die Hand bekommt, daran Eigentum erwirbt.

Diese Sicht mag zur Zeit des Gold- und Silbergeldes, als Geld noch ein echtes Tauschgut mit Eigenwert war, zutreffend gewesen sein. Welche Probleme mit dieser immer noch bestehenden Eigentumsvorstellung jedoch in unseren Tagen verbunden sind, werden wir noch behandeln. Entscheidend ist, dass heute jeder Geldschein-Empfänger mit den Banknoten tun und lassen kann, was er will. Denn nicht allein der mit dem Geld dokumentierte Anspruch an die volkswirtschaftliche Leistung ist nach heutiger juristischer Auffassung sein persönliches Eigentum, sondern auch die ihm vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellte weiterreichbare Leistungs-Quittung, also der Geldschein selbst. Und da man mit Eigentum beliebig umgehen kann, hat jeder Bürger in den meisten Ländern sogar das Recht, den erhaltenen Geldschein zu verbrennen oder anderweitig zu vernichten. Vor allem aber kann jeder, ohne Folgen befürchten zu müssen, den Geldschein beliebig lange aus dem Verkehr ziehen, obwohl er damit andere an der Nutzung dieser öffentlichen Einrichtung ähnlich hindert wie der Blockierer einer Fahrbahn!

Mehr zum Thema erfahren Sie im Buch Das Geld Syndrom von Helmut Creutz.

Quelle: Helmut Creutz: Das Geld Syndrom 2012: Wege zu einer krisenfreieren Wirtschaftsordnung; Hochschulverlag; Auflage: 1 (2. August 2012)

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Helmut Creutz

Helmut Creutz, geboren 1923, ein erfahrener Wirtschaftspraktiker und- analytiker, hat in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren seine wirtschaftsanalytischen Untersuchungen dargelegt. 1990 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Kassel und wurde mehrfach für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagen.

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