Zentralbanken und Notenbanken

August 5th, 2014

Welche Aufgaben haben die Zentral- oder Notenbanken?

 

Im Wesentlichen beziehen sich die Aufgaben der Notenbanken darauf, die Geldversorgung der Wirtschaft und die Stabilität der Geldkaufkraft zu sichern.

Darüber hinaus spielen die Fähigkeiten ihrer Verantwortlichen eine Rolle, diese Stabilität vor dem Hintergrund der von der Politik erwarteten Belebung der Konjunkturanreize zu sichern.

Nach etwas älteren Untersuchungen befanden sich etwa vier Fünftel aller Notenbanken völlig, der Rest überwiegend in Staatsbesitz. Nur in wenigen Ländern, wie z.B. in der Schweiz, sind die Notenbanken noch privatrechtlich organisiert, wobei dann vielfach staatliche Organe wieder die Hauptaktionäre sind. Allerdings ist diese besitzrechtliche Frage für den Erfolg der Notenbanken weniger wichtig als die ihrer Unabhängigkeit. Hat z.B. ein Staat das Recht von der Notenbank Kredite zu fordern, dann können bei jeder Notenbank, unabhängig von ihrer Organisationsform, die Stabilitätsbemühungen zu Makulatur werden.

Währungssicherung: Aufgabe der Notenbanken (hier: Deutschen Bundesbank)

Währungssicherung: Aufgabe der Notenbanken (hier: Deutschen Bundesbank)
Bildquelle: Wikipedia, Wolfgang Pehlemann (CC BY-SA 3.0 DE)

Die Deutsche Bundesbank (inzwischen Teil des „Europäischen Systems der Zentralbanken“ – ESZB), ist z.B. formell eine eigenständige und in ihren Entscheidungen von der Regierung unabhängige Einrichtung öffentlichen Rechts, vergleichbar in etwa mit dem Bundes-Verfassungsgericht. Der Bundesbankpräsident und die übrigen Mitglieder des Direktoriums werden von der Bundesregierung bzw. den Ländern eingesetzt und sind an die Vorgaben gebunden, die im “Gesetz über die Deutsche Bundesbank” festgeschrieben sind.

Die wichtigsten Aussagen findet man im §3 BBG:

Die Deutsche Bundesbank regelt mit Hilfe der währungspolitischen Befugnisse…den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft mit dem Ziel, die Währung zu sichern…

Wie bereits diese Aufgabenbeschreibungen zeigen, handelt es sich bei den Zentralbanken in Wirklichkeit um gar keine Banken im üblichen Sinne. Deshalb wäre es – wie schon erwähnt – wünschenswert, dass sich diese Unterschiede zu den Geschäftbanken auch in einer Namensgebung widerspiegeln, die den Begriff „Banken“ nicht mehr beinhaltet.

Was heißt “die Währung sichern”?

Ein Unbefangener könnte vermuten, dass mit dieser Formulierung im deutschen Bundesbankgesetz eine Absicherung des Geldwertes mit Gold, die Verhinderung von Fälschungen oder auch die sichere Unterbringung der Geldscheine in Tresoren gemeint ist. Tatsächlich war es auch lange strittig, ob darunter feste Wechselkurse oder gleich bleibende Kaufkraft des Geldes zu verstehen waren. Inzwischen hat man sich – vor allem nach dem Desaster fester Wechselkurse Anfang der 70er Jahre – auf das Ziel der Kaufkraftstabilität geeinigt, wenn auch mit begrenzten praktischen Erfolgen. Denn wenn man bedenkt, dass z.B. die DM von 1950, bei ihrem Aufgehen in der Euro-Währung, fast nur noch 20 Pfennig wert war, kann man kaum behaupten, die Deutsche Bundesbank habe ihre Aufgabe nach §3 wirklich erfüllt. Und obwohl die Eindämmung der Inflation nach Einführung des Euro gelungener zu sein scheint, hat auch dieser schon viel von seinem Glanz verloren.

Hauptursache dieses Misserfolges – der bekanntlich in den meisten anderen Währungsräumen noch größere Ausmaße hat – ist die unzulängliche Regelung des Geldumlaufs, obwohl diese, z. B. bei der Bundesbank, ausdrücklich zur Aufgabe gemacht worden ist. Doch der ist bis heute absolut nicht geregelt, wenn selbst die Bundesbank bestätigt, dass zwei Drittel des in Umlauf gegebenen Geldes gehortet werden!

Problematisch ist weiterhin, dass die Notenbanken von den Regierungen häufig auch auf Verhaltensweisen festgelegt werden, die ihrer Aufgabe der Währungssicherung diametral gegenüberstehen. So heißt es beispielsweise in § 12 des Gesetzes von 1957: “Die Deutsche Bundesbank ist verpflichtet, unter Wahrung ihrer Aufgabe die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu unterstützen.”

Vergleicht man diese Passage aus dem Bundesbankgesetz mit der zuerst zitierten, dann kann man über solche missverständlichen und z.T. widersprüchlichen Formulierungen nur den Kopf schütteln. Denn sicher lässt sich trefflich darüber streiten, welche praktischen Konsequenzen aus der Verpflichtung, die Wirtschaftspolitik einer Regierung zu unterstützen, ggfs. abgeleitet werden können, bis hin zum Dauerlauf der Notenpresse. Inzwischen hat man aber dazugelernt. So ist beispielsweise in Neuseeland in den 1990er Jahren der Präsident der Notenbank in seiner Aufgabenstellung alleine auf die Stabilität der Kaufkraft festgelegt und ihm bei unzureichender Einhaltung dieser Auflage sogar die Entlassung angedroht worden.

Etwas eindeutiger sind die Gesetze die den Euro betreffen. So heißt es beispielsweise im Artikel 2 des Maastrichter Vertrags, bezogen auf das Europäische System der Zentralbanken, “….ist es das vorrangige Ziel des ESZB, die Preisstabilität zu gewährleisten”. Und unter Artikel 3, wird zu den Aufgaben des ESZB u.a. aufgelistet:

  • die Geldpolitik der Gemeinschaft festzulegen und auszuführen
  • die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedsstaaten zu halten und zu verwalten
  • das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern

Wie regeln die Zentralbanken den Geldumlauf und warum ist diese Aufgabe so wichtig?

Wenn man von der Versorgung der Wirtschaft mit Geld ausgeht, denkt man meist nur an die Regulierung der Menge. Die Menge ist aber nur ein Faktor der Geldwirksamkeit, der zweite deren Einsatzhäufigkeit. Denn wird herausgegebenes Geld nur selten oder gar nicht bewegt, ist es genauso wirkungslos wie nicht herausgegebenes. Deshalb hat eine Zentralbank auch die Aufgabe, neben der Ausgabe des Geldes auch für dessen gleichmäßigen Umlauf zu sorgen. Denn erst bei einer störungsfreien Umlaufgeschwindigkeit (zutreffender: regelmäßigenEinsatzhäufigkeit) kann es auch störungsfreie Konjunkturlagen und eine stabil bleibende Kaufkraft geben.

Vergleicht man einmal das Geld mit Pferden und die Wirtschaft mit dem Wagen den die Pferde ziehen sollen, dann könnte man die Notenbanken als die Kutscher ansehen, die nicht nur für die notwendigen Pferde zu sorgen haben, sondern auch für eine gleichmäßige Bewegung des Wagens. Will ein Kutscher diese Aufgabe optimal erfüllen, wird er die Pferde so am kurzen Zügel führen, dass sie nicht beliebig ausscheren oder stehen bleiben können.

Die Notenbanken aber begnügen sich im Wesentlichen damit, eine von ihnen quantifizierte Pferdemenge für den Wirtschaftswagen zur Verfügung zu stellen. Ob und in welchem Maße diese Pferde zum Ziehen bereit sind bzw. sich überhaupt einspannen lassen, wird von den Notenbanken nicht kontrolliert. Weitgehend hofft man einfach, dass alles von alleine klappt. Erst wenn die Notenbanken merken, dass der Wagen schon zu schnell oder zu langsam läuft, werden sie aktiv. Dabei greifen sie jedoch nicht direkt in die Zügel. Vielmehr versuchen sie, die Leistungsbereitschaft der Pferde mit verringerten oder vergrößerten Haferrationen – sprich: Zinssätzen – zu beeinflussen.

Außerdem lassen die Notenbanken, um den Rückgang der Fahrgeschwindigkeit zu vermeiden, das Geld – entgegen ihrer eigenen Stabilitätsschwüre – fast ständig etwas unter der Inflationspeitsche laufen. Da sie jedoch die Veränderungen der Geschwindigkeit des Wirtschaftswagens immer erst mit Verspätung merken und ihre Einflussnahme über Zins- und Inflationssätze mit kaum berechenbaren Verzögerungen und Nebenwirkungen verbunden sind, ist ein befriedigendes Ergebnis rein zufällig. In ihrer Not bekämpfen die Notenbanken schließlich sogar die Inflationsanstiege, die sie selbst durch zuviel herausgegebenes Geld verursacht haben, mit Erhöhungen der so genannten Leitzinsen, was einer Austreibung des Teufels mit dem Beelzebub gleichkommt.

Dabei gibt es eine ganz klare Vorgabe für die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, nämlich die der Einkommensströme! Die Notenbanken müssten nur durch eine funktionierende Umlaufsicherung dafür zu sorgen, dass alles eingenommene Geld möglichst regelmäßig, direkt oder den Umweg über Ersparnis und Kredite, auch wieder in die Ausgaben fließt. Um die richtige Höhe der Zinsen brauchten sie sich dann keine Gedanken mehr zu machen, und die richtige Geldmenge würde sich von alleine einspielen. – Das heißt, die eigentliche Schwachstelle ist die unzulängliche Regelmäßigkeit des Geldeinsatzes!

Was heißt “regelt…die Kreditversorgung der Wirtschaft”

Auch diese Formulierung aus dem Bundesbank-Gesetz ist mehr als fragwürdig und vernebelt heute noch oft die Köpfe. Selbst Sachkundige leiten häufig daraus ab, dass Zentralbanken die Wirtschaft mit Krediten versorgen. Dabei stammen die Kreditmittel in unseren modernen Volkswirtschaften – soweit nicht direkt privat vergeben – aus Einlagen der Sparer bei den Banken und ähnlichen Institutionen, also aus den Einkommensüberschüssen anderer Wirtschaftsteilnehmern, nicht aber von den Notenbanken! So standen den Krediten der deutschen Banken an die Wirtschaft, bzw. wie es offiziell heißt, „an die Nichtbanken“, die im Jahr 2010 bei 3.725 Mrd. Euro lagen, Kredite der Bundesbank an die deutschen Banken von nur 275 Mrd gegenüber, und davon entfielen 203 Mrd auf die in den Umlauf gegebenen Banknoten uns der Rest war weitgehend in den Mindestreserven gebunden. Das heißt, die Zentralbankkredite an die Banken lagen nur bei sieben Prozent jener Kredite, die von den Banken aus den Kundeneinlagen an die Wirtschaft vergeben wurden!

Nicht anders ist es bezogen auf den gesamten Euroraum, in dem Bankkrediten von fast 16.000 Mrd. Euro nur solche der EZB in Höhe von rund 1.073 Mrd Euro gegenüber standen, von denen wiederum 816 Mrd in den Banknoten gebunden waren.

Wie sich schon aus diesen Zahlen ergibt, haben die Zentralbankkredite also wenig mit der Kreditversorgung der Wirtschaft zu tun. Das heißt, diese Notenbankkredite werden weitgehend nur dann und in dem Umfang ausgeweitet, wie die Wirtschaftsteilnehmer zusätzliches Geld am Bankschalter nachfragen. Da alle Bargeldnachfragen am Schalter wiederum mit Abhebungen von den Girokonten der Kunden verbunden sind, führen sie zuerst einmal in gleicher Höhe zu einem Rückgang dieses Guthaben- und damit auch des Kreditvergabepotentials, das umgekehrt auch nur durch solche Bargeldeinzahlungen wächst!

Wie läuft das mit den Krediten an die Banken?

Wie schon gesagt, benötigen die Banken die Kredite von den Notenbanken nur zur Auffüllung ihrer Kassenhaltungen und ihrer vorgeschriebenen Zentralbankguthaben/Mindestreserven. Da diese Kredite mit Zinskosten belastet sind, erweitern sie diese praktisch auch nur in dem Umfang, der für sie unvermeidlich ist. Das heißt, nicht die Zentralbanken und auch nicht die Geschäftsbanken bestimmen über die Geldmenge in der Wirtschaft, sondern letztlich die Wirtschaftsteilnehmer. Heben diese bei den Banken mehr Geld ab als sie dort laufend einzahlen oder nehmen ihre bargeldlosen Zahlungen zu, müssen die Banken ihre Verschuldungen bei den Notenbanken ausweiten. Sammelt sich dagegen bei den Banken mehr Geld an als laufend abgehoben wird, geben sie das Zuviel an Geld schleunigst an die Notenbanken zurück. Denn alles Geld in der Kasse ist für die Banken nicht nur totes Kapital, das sie nicht gegen Zinsen verleihen können, sondern für das sie auch noch an die Notenbanken Zinsen zahlen müssen! Deshalb versuchen auch die Banken, zur Senkung ihrer Zinsbelastungen, den Gebrauch von Bargeld innerhalb der Wirtschaftsvorgänge möglichst abzubauen. Denn für dieses über die Banken in Umlauf gegebene Bargeld müssen die Banken selbst dann noch Zinsen an die Zentralbank zahlen, wenn es seit Jahren in irgendwelchen privaten Tresoren schlummert, im Ausland kursiert oder gar durch Feuer, Kriege o.ä. vernichtet wurde. Und da die Banken diese Zinskosten nicht auf die Geldhalter und -benutzer überwälzen können, müssen sie diese letztlich ihren Kreditnehmern aufhalsen, die in den meisten Fällen gar kein Bargeld in Anspruch nehmen!

Mehr zum Thema erfahren Sie im Buch Das Geld Syndrom von Helmut Creutz.

Quelle: Helmut Creutz: Das Geld Syndrom 2012: Wege zu einer krisenfreieren Wirtschaftsordnung; Hochschulverlag; Auflage: 1 (2. August 2012)

VN:F [1.9.22_1171]
Wie fanden Sie diesen Beitrag? Auf die Sterne klicken um ihn zu bewerten!
Rating: 3.0/5 (6 votes cast)
Zentralbanken und Notenbanken, 3.0 out of 5 based on 6 ratings

Helmut Creutz

Helmut Creutz, geboren 1923, ein erfahrener Wirtschaftspraktiker und- analytiker, hat in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren seine wirtschaftsanalytischen Untersuchungen dargelegt. 1990 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Kassel und wurde mehrfach für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagen.

Letzte Artikel von Helmut Creutz (Alle anzeigen)

Tags: , , , , , ,