3440 Tonnen Gold in zwei Tagen

April 23rd, 2013

Size matters – Größe hat etwas zu bedeuten

Haben Sie am letzten Montag verfolgt, wie der Goldpreis stündlich nachgab? Doch es gab etwas, was Sie zu diesem Zeitpunkt nicht sehen konnten: das Handelsvolumen, das sich hinter diesem Preisrutsch verbarg.

Rund 2.300 Tonnen (Papier)-Gold standen am Ende des Tages in der Statistik der COMEX. Am Freitag wurden bereits 1.140 Tonnen (Papier)-Gold gehandelt, das macht einen Gesamtumsatz von 3440 Tonnen Gold.

Wollen wir spekulieren, wie viel Tonnen zeitgleich in London gehandelt wurden?

alle Angaben in metrischen Tonnen

alle Angaben in metrischen Tonnen

Man muss sich vor Augen halten, dass selbst im gesunden Handel der Derivatemarkt größer ist als der physische Markt. Ein Beispiel: Ein Spekulant hat mit 6 Prozent Barhinterlegung ein Weizen-Lieferversprechen gekauft. Lieferung des Weizens soll im September sein.

Doch die Weizen-Preise sinken, er erhält den „Margin Call“ und muss mehr Bargeld hinterlegen. Da er das nicht kann, bringt er seinen September-Kontrakt auf den Markt und sucht einen Käufer. Da andere Spekulanten das gleiche tun, sinkt der Preis.

Ein Agrarunternehmen brauchte vor Monaten Geld. Da der Weizenpreis hoch war, brachte es ein Liefer-Versprechen für September-Weizen auf den Markt und sicherte sich damit den hohen Preis. Nun, da die Preise sinken, kauft das Agrarunternehmen dem Spekulanten das September-Lieferversprechen ab.

Damit hat das Agrarunternehmen sowohl einen Kontrakt, der es zur Lieferung von Weizen verpflichtet und einen Kontrakt, bei dem es selbst liefern muss. Damit ist die Position glattgestellt, die Netto-Lieferverpflichtung ist Null.

Man darf gespannt sein, wie die Positionen der COMEX-Gold-Marktteilnehmer aussehen, wenn sich der Pulverdampf verzogen hat. Ob die US-Banken den Preisverfall nutzen, um ihre Wetten auf sinkende Preise zu verkaufen? Ob Comex-Spekulanten ihre Netto-Long-Positionen verkaufen mussten?

Stand: 18 April 2013

Stand: 18 April 2013

Es ist zwar inzwischen ein alter Hut, aber an der Lieferung von physischem Material darf wieder einmal gezweifelt werden. Schon bei der Pleite von MF Global verschwanden COMEX-Lieferversprechen im Nirwana und Papiergold erwies sich als das, was es war: Papier.

Der Abzug von Gold und Silber aus den Warenhäusern der COMEX in den letzten Wochen könnte andeuten, dass Insider etwas Ähnliches wissen, ahnen oder zumindest fürchten.

Wegen der steigenden Umsätze an der Goldbörse in Shanghai und den physisch hinterlegten Goldbörsen in Hong Kong und Australien dürfte sich das Zeitfenster, durch die COMEX den Preis zu bestimmen, irgendwann schließen.

Die Idee eines „Asian Fixing“, eines offiziellen Goldfixings an einer asiatischen Börse während der asiatischen Handelszeit, war eines der heiß diskutierten Themen bei der Edelmetallkonferenz der LBMA in Hong Kong. Ich erinnere mich, dass Steven Lowe, Managing Director bei der führenden Bullion Bank „Nova Scotia – ScotiaMocatta“ bei einer Paneldiskussion cool antwortete: Aus seiner Sicht brauche man kein „Asian Fixing“, das  „London Fixing“ sei eine Art „Global Fixing“. Ein prominenter Chinese knurrte dagegen irgendetwas von den „London Boys“ und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war den Asiaten ein „Asian Fixing“ sehr wichtig.

Für die Notenbanken der westlichen Volkswirtschaften ist ein niedriger Goldpreis wünschenswert, denn er maskiert eine Zeit lang die Schwäche der Währungen und hilft den westlichen Volkswirtschaften, die drückenden Schulden wegzuinflationieren. Solange die Preisfindung in New York und London stattfindet, lässt sich der Goldpreis beeinflussen.

Wie schlimm sind 11 Prozent Verlust für Goldanleger? 1969 machten Goldanleger pro Jahr 11 Prozent Verlust, denn die Zinsen stiegen auf 11 Prozent und zinslose Anlagen wie Gold konnten diesen Zinsverlust nur durch eine Wertsteigerung ausgleichen.

Und nach einer Wertsteigerung sah es 1969 nicht aus: Die Goldspekulation der Jahre 1967-69 war gerade krachend zusammengebrochen. Der Goldpreis wurde auf dem freien Markt wieder zum gleichen Preis gehandelt, wie vor der Spekulation: 35 Dollar.

Wen das Thema interessiert: Die Goldspekulation der Jahre 1967-69 wurde in diesem Wochenbericht detailliert behandelt.

http://www.gold-super-markt.de/blog/goldmarktbericht/der-fruhe-vogel-fangt-den-wurm-nicht-am-goldmarkt/

1950-1969 waren mit Anleihen, Aktien und Bankguthaben hübsche Summen zu verdienen, Gold akkumulierte einen „Zinsverlust“, alleine 1969 waren das 11 Prozent.

„Offensichtlich haben viele Leute eingesehen, daß sie für das Vergnügen, dieses Metall im Tresor zu halten, mittlerweile elf Prozent Zinsverlust hinnehmen müssen,“ erklärte Bundesbankdirektor Otmar Emminger 1969 die Goldbaisse.

Goldpreis-Crash 1980? Welcher Crash?

Der Goldpreisrutsch der letzten Tage wird mit dem „Gold-Crash“ 1980 in Verbindung gebracht, der einen jahrelangen Bärenmarkt einleitete. Diejenigen, die das tun, kennen den Goldmarkt nicht. Die gesamten 80er Jahre waren eher eine „Plateauphase“.

Die Goldskeptiker unter den Vermögensverwaltern rechnen Anlegern immer wieder vor, wie viel Verlust man gemacht hätte, wenn man Gold 1980 für 850 Dollar gekauft hätte. Roland Aulitzky, „Edelmetallexperte“ bei „Finanztest“, erklärte dem Handelsblatt 2011: „Der Goldpreis steigt in der Krise. Doch Höchststände sind jeweils nur von kurzer Dauer. So wie beim letzten großen Gold-Hype 1980, als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte. Wer seinerzeit in das Edelmetall investierte, musste über 25 Jahre warten, bis es seinen Einstandspreis wieder erreichte, so die Studie. Erst die Finanzkrise befeuerte den Preis 2008 wieder auf neue Höhen.“ (2.10.2011, Handelsblatt)

Nicht erwähnt wird, dass Gold nur an 9 Tagen des Jahres 1980 über 700 Dollar notierte und nur an zwei Tagen über 800 Dollar.

Die Goldhausse dauerte von 1965 bis 1980/83, also ca. 5.500 bis 6.500 Tage. Die Wahrscheinlichkeit, dass Goldkäufer einen so ungünstigen Einstiegskurs erwischte, wie der „Finanztest“-Experte erwähnte, lag rein statistisch bei 0,03 Prozent.

Zum Vergleich: Wenn Sie am Wochenende einmalig Lotto spielen, liegt die Wahrscheinlichkeit für vier richtige Zahlen drei Mal höher.

Der Jahresmittelkurs des Jahres 1980 wurde von der Bundesbank bei 614,49 Dollar ermittelt, der Jahresmittelkurs 1981 lag bei 459,26 Dollar.

Jahresmittelkurse, Frankfurter Fixing, Quelle: Bundesbank

Jahresmittelkurse, Frankfurter Fixing,
Quelle: Bundesbank

Wer 1980 oder 1981 einstieg, sah für mehr als ein halbes Jahrzehnt die obigen Kurse. Ein Crash sieht anders aus.

Gold befand sich zwar nach 1980 fundamental in einem Bärenmarkt. Da die meisten Anleger das jedoch nicht erkannten, blieben die Goldpreise nachhaltig hoch.

An der Frankfurter Börse kostete ein Kilobarren 1982 im Jahresdurchschnitt 29.561,23 DM. 1983 lag der Preis für den Kilobarren im Jahresschnitt bei 34.840,10 D-Mark. (Quelle: Bundesbank)

Mitten in einem Bärenmarkt konnte man also auf Jahressicht noch 17 Prozent Nominalgewinn erzielen.

Und wer 1978 den Kilobarren zum Jahresdurchschnittskurs von 12.486,08 DM erworben hatte, hätte z.B. 1990 für rund 20.000 DM verkaufen können, 1994 für über 20.000 DM oder 1997 für rund 18.500 DM. Interessanterweise sank der Goldpreis erst ab 1998 so richtig, als fundamental bereits – aus meiner Sicht – der Übergang in einen Bullenmarkt anstand.

Jahresmittelkurse Quelle: Bundesbank

Jahresmittelkurse
Quelle: Bundesbank

Bullenmarkt und Bärenmarkt: Was sind die Treiber?

Woran ist der Wechsel zwischen Bullen- und Bärenmarkt auszumachen? Sind es nur die Preise? Die Treiber des Gold-Bullenmarktes waren nach 1980 nicht mehr intakt. Natürlich gab es noch 1986 eine Werbekampagne der Dresdner Bank, die mit ganzseitigen Anzeigen für Krügerrand-Münzen warb („Gold bleibt Gold“). Doch so ein Engagement von Banken ist eher schon ein Kontra-Indikator.

Es gab ab 1980 in der wichtigsten Währung der Welt ein Zinsniveau deutlich über der Inflationsrate UND es gab genügend Innovationen in der Wirtschaft, um dieses Zinsniveau tatsächlich zu erwirtschaften. Dieser zweite Teil des Satzes ist sehr wichtig.

Die Krise der 70er Jahre hatte im Kapitalismus Bärenkräfte geweckt: Ab den späten 70er Jahren waren genug redundante Industrien abgestorben. Innovative Entwicklungen begannen, ihre Power zu entfalten: Computer-Technologie und Mobilfunk, Nordseeöl, Peugeot 205 und TGV, das waren die Treiber des neuen Aufschwungs. Das wussten die Menschen 1980 noch nicht, sie glaubten, sie seien in einer immerwährenden Krise. Das Time Magazin fragte 1980 auf dem Heft-Titel: „Funktioniert Kapitalismus?“

Deswegen blieb der Goldpreis auch zehn Jahre lang sehr hoch, es gab keinen „Gold-Crash“.

Wer über den Goldpreiseinbruch der letzten Tage nachdenkt, sollte drei andere Goldpreiseinbrüche fokussieren: Die Goldpreiseinbrüche von 1969, 1975/76 und den Einbruch im März 2008. Das waren Gold-Crashs, die sich im Nachhinein jedoch immer als formidable Einstiegschancen erwiesen.

Was passierte 1969 und 1975? In beiden Fällen stiegen die Zinsen – aber die Wirtschaft war zu schwach, die Staaten waren zu verschuldet, um diese Zinsen längere Zeit zu tragen. Deswegen waren beide Hochzinsphasen auch nur sehr kurz und reichten gerade so aus, um den Goldpreis zum Einbrechen zu bringen.

Hier noch einmal das Zitat des Bundesbankers Otmar Emminger aus dem Jahre 1969:

„Offensichtlich haben viele Leute eingesehen, daß sie für das Vergnügen, dieses Metall im Tresor zu halten, mittlerweile elf Prozent Zinsverlust hinnehmen müssen,“ erklärte Bundesbankdirektor Otmar Emminger 1969 die Goldbaisse.

Was wäre los, wenn Bundesbankchef Weidmann und EZB-Chef Draghi bei der nächsten Pressekonferenz Goldanlegern die Nase zeigen und erklären: „Bei Euro-Zinsen von 11 Prozent müssen Goldanleger mittlerweile 11 Prozent Zinsverlust pro Jahr hinnehmen.“

Ich weiß, ich weiß, für manche D-Mark-Liebhaber ist das ein Wunschszenario: Endlich Ruhe im Karton. Sparbuch, Festgeld und Bundesschatzbriefe bringen wieder 8-13 Prozent Zinsen, die Welt ist wieder in Ordnung. Nach dem Eingang der Zinszahlungen wird erst einmal ein „Henkell trocken“ aufgemacht. Leider funktioniert das so nicht.

Ein Blick in die Bilanzen der Dax-Konzerne zeigt, dass diese selbst in „Friedenszeiten“ nicht für die Aktionäre arbeiten, sondern für die Banken. Die Konzerne müssten bei Zinserhöhungen durch die Hölle gehen. Und wie soll der Bund bei 2 Billionen Schulden langfristig mit 8 oder 11 Prozent Zinsen zahlen? Mehrwertsteuer verdoppeln? Es würde darauf hinauslaufen, dass alle zwei Jahre das DIW den Vorschlag macht, 10 Prozent des Vermögens einzuziehen. Wenn das Damoklesschwert von Ad-Hoc-Enteignungen im Raum schwebt, würde das Kapital an hochverzinsten Anleihen keine Freude haben. Genau das ist ja der Grund, weshalb reiche Russen ihr Geld nicht bei Moskauer Banken gelassen haben, sondern es nach Zypern brachten. Das ist auch einer der Gründe, weshalb es lange Jahre lang in den Entwicklungsländern nicht vorwärts ging: Kapitalmangel wegen der Gefahr von ad-hoc-Enteignungen.

Zurück zum Anfang dieses Gedankengangs: Der Zeitpunkt für hohe Zinsen ist zu früh.

In der Presse war zu lesen, dass in den letzten Wochen rund 11 Mrd. Dollar aus dem (Papier)-Goldmarkt abgezogen wurden, während rund 20 Mrd. Dollar in US-Aktien geströmt sind.

1969 und 1975 konnte die Flucht ins Gold verhindert werden, weil die Anlageklasse der Anleihen wieder Erträge oberhalb der Inflationsrate brachte. Heute geht das nicht. Aber was wäre, wenn der Aktienmarkt klar und erkennbar Erträge oberhalb der Inflationsrate bringt? Ist der Aktienmarkt 2013 das, was 1969 und 1976 der Zinssatz war?

Einige Wochen lang gab es diese Stimmung am Markt – ironischerweise ist sie genau jetzt, wo ich darüber schreibe, in Deutschland schon wieder vorbei. Das Gerücht, Deutschland würde sein AAA verlieren, ließ den Dax abstürzen.

http://www.welt.de/finanzen/article115381785/Boeses-Geruecht-laesst-den-Dax-ploetzlich-abstuerzen.html

Der Goldpreisrutsch der letzten Tage hat weltweit Goldanleger verunsichert, Journalisten und die sogenannten Finanzexperten schlagen kritische Töne an.

Doch niemand weiß genau, welche Nachrichten den Goldpreis zum Einbrechen brachten.

Auch 1969 gab es so ein bärisches Sentiment, hier ein Artikel aus dem Jahre 1969: „(Am Londoner Goldmarkt) verloren in der vergangenen Woche Goldhorter und Spekulanten ein Vermögen. Durch Meldungen über einen plötzlichen Preiseinbruch bei Gold verstört, boten sie das gelbe Metall gleich kilo- und tonnenweise zum Verkauf an. Wie in London warfen Goldbesitzer in der Bundesrepublik, Frankreich und der Schweiz große Teile ihrer Bestände auf den Markt. Der Goldpreis, den Profitjäger noch im Mai dieses Jahres auf über 43 Dollar je Unze getrieben hatten, rutschte dadurch bis Dienstagvormittag am Londoner Markt auf 35,35 Dollar. In Zürich sackte der freie Marktpreis kurzfristig sogar auf 35,25 Dollar je Unze.“ Zur Erinnerung: Gold wurde damals in Dollar gehandelt – und die waren offiziell goldgedeckt. (Spiegel, 1.12.1969)

Heute klingt das so:

„Am 12. April glitt Gold in einen Bärenmarkt wegen Befürchtungen, Zypern könnte seine Goldreserven verkaufen um die Bail-Out-Kosten zu bezahlen. Die  Federale Reserve signalisierte, dass die US-Geldmarkt-Stimuli noch in diesem Jahr zurückgefahren werden könnten. Die Bestände des SPDR Gold Trust (GLD), des größten metallgedeckten ETFs, sanken auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Hedge Funds haben ihre Wetten auf steigende Preise seit Mitte Oktober um 72 Prozent zurückgenommen.“ Bloomberg.com, 15.4.2013

Muss man das noch kommentieren? An der COMEX wurden 3440 Tonnen Gold bewegt, weil man befürchtete, Zypern könne 14 Tonnen Gold verkaufen? 3440 Tonnen Gold sind mehr als die gesamten Goldreserven Italiens.

Der Goldpreisrutsch nach der Bear Stearns-Pleite

Und noch ein weiterer Vergleich drängt sich auf. Waren Sie 2008 schon am Goldmarkt dabei? Der Goldpreis haussierte seit dem August 2007, als sei Gold auf die Überholspur abonniert: Inflationssorgen, kriselnde Banken, alles schien für Gold zu sprechen. Die „Berliner Zeitung“ brachte eine Geschichte über Herkunft und Geschichte des Goldes, die „taz“ schrieb über den Goldkonzern AngloGold Ashanti. Und als die Investmentbank Bear Stearns im März 2008 kollabierte, schienen sich die Befürchtungen der Goldanleger zu bestätigen. Der Goldpreis stieg auf über 1000 Dollar, damals ein unvorstellbarer Preis. Dann erschien in einem Finanzblatt ein Bericht über eine Bank namens „Lehman Brothers“. Es hieß, dass diese Bank die gleichen Probleme habe wie Bear Stearns, Lehman sei jedoch zu groß, um von einer anderen Bank übernommen zu werden. Was wäre wenn Lehman Pleite geht? Die Financial Times schrieb: „Die Konsequenzen wären unvorstellbar.“ Es herrschte Krisenstimmung, die Märkte erwarteten eine rasche Zinssenkung der Fed um 1,0 Prozent. Eine Zeitung schrieb: „Die Aussicht auf drastisch sinkende Zinsen in den USA lässt die Anleger ins Gold fliehen.“

Dann kam eine Nachricht, die niemand erwartete: Die Fed senkte den Leitzins nur um 0,75 Prozent. Die Financial Times schrieb: „Die Investoren interpretieren die Zurückhaltung der Fed in dem Sinne, dass die Dinge offenbar nicht so schlimm standen, wie befürchtet.“

Dann brach der Goldpreis zusammen: Von über 1000 Dollar auf 944,70 Dollar. Am nächsten Tag ging der Preisrutsch weiter: 905 Dollar.

Natürlich war der Goldmarkt im März 2008 überhitzt, aber gerade aus der Rückschau drängt sich durchaus der Gedanke auf, dass Gold nach dem Kollaps von Bear Stearns und schlechten Nachrichten über Lehman nicht weiter steigen durfte.

Die Medien schrieben im März 2008, dass das der größte Goldpreisrückgang seit 28 Jahren sei, genauso wie heute bei Bloomberg zu lesen ist, dass wir gerade den größten Goldpreisrückgang seit 33 Jahren gesehen haben („Gold Plunges Most in 33 Years“, Bloomberg.com)

Weniger als sechs Monate nach dem „größten Goldpreisrutsch seit 28 Jahren“ rief der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters PIMCO, Mohamed El-Erian, seine Frau an: Sie solle zur Bank gehen und so viel Cash wie irgend möglich abheben. Der gut informierte Ex-IWF-Mann und Oxford-Absolvent, glaubte dass nach der Lehman-Pleite alle Banken schließen. Bargeld bekam man damals noch, Goldbestellungen nahm keine Bank mehr an.

Die oben genannten Informationen und Zeitungszitate aus dem März 2008 stammen weitgehend aus Heike Fallers lesenswertem Buch „Wie ich einmal versuchte, reich zu werden“.

Als Goldanleger verfügen Sie nun über genügend Wissen um eine Aussage über den Goldpreisrutsch zu treffen. Ähnelt der  aktuelle Goldpreisrutsch eher den Entwicklungen 1969, 1975 oder 2008 oder ähnelt er eher den Entwicklungen 1980 und 1983? Nicht niedrige Goldpreise dürfen Kaufmotiv sein, sondern eine Einschätzung der Gesamtsituation.

Wie reagiert der physische Markt?

Wie sind die Reaktionen der Goldanleger auf die gesunkenen Preise? Hier gibt es zwei gegenläufige Bewegungen: Ein großer Goldhändler berichtete, dass am ersten Tag des Goldpreisrutsches tatsächlich einige sehr große Einzelverkäufe eintrafen, d.h. deutsche Anleger verkauften Gold gegen Euros.

Die Masse der Anleger nutzt dagegen die gesunkenen Preise, um sich mit Edelmetall einzudecken. Die australische Münzprägestätte Perth Mint („Australian Kangaroo“, „Silver Koala“) berichtet über eine Verdopplung der Verkäufe. Gefragte Einzelmünzen beginnen bei den ersten Händlern und Deutschland und der Schweiz knapp zu werden.

Nach einer nicht bestätigten Internet-Meldung sollen die Silber-Lagerbestände der Kanadischen Royal Mint erschöpft sein. Bei einigen großen deutschen Händlern haben sind besonders gefragte 1-Unzen-Münzen und teilweise auch 100-Gramm-Goldbarren vergriffen.

Die Londoner Edelmetallbörse LBMA stellte am Freitag zum Nachmittagsfixing einen Goldpreis von 1405,50 Dollar bzw. 1071,67 Euro fest. Am Montag lag der Preis zum Nachmittagsfixing bei 1424,50 Dollar bzw. 1092,74 Euro.

Quellen der Woche

 

B. Meyer

Der Autor dieses Artikels ist unter meyersgoldwoche@t-online.de erreichbar.

Der Autor ist ein langjähriger erfolgreicher Privatinvestor mit antizyklischer Anlagestrategie und fundamentalanalytischem Ansatz. © 2013 B. Meyer. Reproduktion und Publikation nur mit Zustimmung des Autors oder des Gold-Super-Markts, Zitate unter Verwendung der Quellenangabe.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen dieses Artikels geben die Einschätzung des Verfassers wieder und stellen nicht die Meinung der Firma TG Gold Supermarkt und/oder Ex Oriente Lux AG dar. Sie können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlagen oder Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Devisen, Rohstoffe, Emittenten oder Wertpapiere direkt erwähnt werden. Der Autor dieses Artikels ist kein Finanzberater. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sind allgemeiner Natur können eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Finanzberatung nicht ersetzen. Die in diesem Artikel genannten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen gesammelt und zitiert. Jegliche Haftung für die Richtigkeit der genannten Informationen ist ausgeschlossen.

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