IWF kauft 1140 Tonnen Gold!

April 16th, 2013

Goldkäufe beim IWF? Was steckt hinter der Nachricht?

Ärgerlich ist das schon, wenn am Freitagnachmittag plötzlich ein Ereignis auftaucht, das die bisherige Sicht auf die Goldwoche völlig ändert. Eigentlich sollte in dieser Woche ein Artikel mit interessanten Insiderinformationen über Gold und George Soros erscheinen, doch die Ereignisse der Freitags und des Montags machten diesen Artikel vorerst obsolet.

Kauft der IWF wirklich 1140 Tonnen Gold? Natürlich nicht, hier handelt es sich wieder einmal um ein Experiment, das notwendig ist, um Sie als Anleger zu trainieren.

Was haben Sie gedacht, als Sie die Überschrift gelesen haben? Was würde es bedeuten, wenn der IWF Gold in dieser Größenordnung kaufen würde? Man kann sich ausmalen, was an den Märkten los wäre, oder? Sicherlich würden viele Marktteilnehmer auf den Zug aufspringen und Gold kaufen. Und die aktuelle bärische Stimmung am Goldmarkt? Die wäre schnell verschwunden. Menschen würden, ohne wirklich viel über Gold zu wissen, einsteigen. Ein ähnlicher Sog geht übrigens von Nachrichten über steigende Preise aus. Wie gerade bei den Bitcoins gesehen, stiegen Menschen in den Markt ein, die nichts über das Cybergeld wussten, außer dass sein Preis wie durch Zauberei stieg.

Zurück zum IWF: Es gab vor rund einem Jahr tatsächlich einmal die Nachricht, dass der IWF Gold kauft. Ich war wie elektrisiert. Das war kein Aprilscherz, die Nachricht erschien auf einem renommierten englischsprachigen Rohstoffportal. Einige Stunden später kam die Korrektur: Es handelte sich um ein grobes Missverständnis, das Rohstoffportal musste sich korrigieren: Der IWF kauft doch kein Gold. Gott weiß, wie es zu dieser Falschmeldung kam.

Für mich war diese Nachricht ein guter Test: Ich habe nach der anfänglichen Erregung keine Unze dazugekauft. Mein Vermögen hat eine bestimmte Streuung, ich verfolge eine bestimmte Strategie, es gab keinen Grund, etwas zu ändern.

Die „Kraft des Faktischen“

Trotzdem ist es doch erstaunlich, wie eine einzige Nachricht die Stimmung beeinflussen kann. Am Freitag gab es einen Goldpreisrutsch. Hat er die Kraft, die Stimmung zu verändern?

Die Nachricht vom Haircut auf Zypern hat diesen Test schon bestanden: Diese Nachricht HAT die Stimmung verändert, diese Nachricht HAT zu veränderten Anlageentscheidungen geführt. In einem großen deutschen Wirtschaftsmagazin berichtete ein deutscher Vermögensverwalter, dass die Causa Zypern bei seinen Klienten innerhalb weniger Tage zu einer echten Anlage-Rotation geführt hat: Raus aus dem Festgeld. Es ging, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, alleine bei ihm um Umschichtungen im Bereich mehrerer hundert Millionen. Wie kann das sein? Eine einzige Nachricht löst Umschichtungen aus? Und das bei Klienten, die sich professionell beraten lassen? So weit her scheint es mit der professionellen Anlageberatung also nicht zu sein.

Ich übertreibe natürlich ein wenig. Selbstverständlich verstehe ich, warum es nach der Zypern-Nachricht zu Umschichtungen kam. Helmut Kohl nannte das Phänomen einmal die „Kraft des Faktischen“. Fakten und Nachrichten beeinflussen unser Denken mehr als schlüssige Überlegungen. Leider.

Da wir schon bei Thema „Zypern“ sind. Im Umfeld des zyprischen Haircuts äußerte Eurogruppenchef Dijsselbloem die Idee, dass Zypern ein Muster für zukünftige Bankenrettungen sei. Sparer mit Guthaben über 100.000 Euro würden zukünftig bei Bankenpleiten in die Pflicht genommen. In den Folgetagen gab es einige wichtige EU-Politiker, die sich redlich bemühten, die Äußerungen Dijsselbloems zu relativieren.

Doch am Wochenende kam dann der Paukenschlag.

EU-Binnenkommissar Barnier legte einen Plan für eine EU-Gesetzesinitiative vor, die die Beteiligung der Sparer bei den Bankenrettungen zukünftig regeln soll. Quintessenz: Zukünftig retten die Sparer die Banken.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommissar-reiche-sparer-sollen-schon-bald-fuer-banken-haften-a-894163.html

Haften nun die Sparer für die Banken?

Wie sieht Barniers Plan aus? Falls Banken Pleite gehen, soll es künftig folgende Haftungsreihenfolge geben: Zuerst erfolgt ein Kapitalschnitt bei den Aktionären, danach bei den Besitzern von Banken-Anleihen. Danach erfolgt der Einsatz des Einlagenssicherungsfonds der Banken. Falls dessen Mittel aufgebraucht sind, werden Sparer mit Guthaben über 100.000 Euro in Haftung genommen, d.h. sie verlieren ihre Einlagen. Erst in letzter Instanz wird der ESM zur Bankenrettung hinzugezogen.

Diese Idee mag manchem vermögenden Sparer wie ein kalter Wasserguss vorkommen. Werden Enteignungen nun salonfähig? Unsinn. Was Barnier vorschlägt, ist nichts weiter als der Stand aus der Zeit vor 2008. Im Umfeld der Lehman-Pleite gab es in den meisten Industriestaaten diverse freihändig proklamierte Sparergarantien. Dieser Schritt wird nun de facto zurückgenommen.

Als 2008 die deutsche Niederlassung von Lehman Brothers Pleite ging, wurde dadurch fast die gesamte deutsche Einlegersicherung aufgebraucht. Hatten Sie ein Konto bei Lehman? Ich hatte auch keines, aber eine große deutsche Krankenkasse hatte Geld bei Lehman angelegt und bekam jeden Cent zurück. Falls noch eine Bank Pleite gegangen wäre, hätte der Einlagensicherungsfonds nicht ausgereicht.

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück schätzt in seinem Buch „Unterm Strich“, dass die Deutsche Bank ohne staatliche Stützung für IKB und HRE, AIG und Stützung des Einlagensicherungsfonds usw. einen Abschreibungsbedarf von 25-30 Mrd. Euro gehabt hätte.

„Wären all diese Maßnahmen nicht erfolgt, hätte darüber sogar die Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bank zum Problem werden können.“ (Peer Steinbrück, 2010, „Unterm Strich“)

Jeder andere, der das gesagt hätte, hätte vermutlich Post von den Anwälten der Deutschen Bank bekommen.

Warum wird jetzt die unbegrenzte Sparergarantie zurückgenommen? Darüber kann nur spekuliert werden. Die Sache ist beileibe nicht geheim. Selbst im ZDF-Heute-Magazin wurde das Konzept der Mithaftung reicher Sparer unmissverständlich offengelegt.

Was der EU-Binnenkommissar vorschlägt ist ja kein Unsinn – aber die Vorschläge kommen in einer Zeit auf den Markt, da die Pleite von Banken für viele Sparer die „Kraft des Faktischen“ gewonnen hat.

Selbst der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) empfiehlt nun deutschen Unternehmen, die Bonität der Hausbank zu prüfen. Vielleicht ist es an der Zeit mit den Banken über Sicherheiten zu sprechen?

Gold widersteht nicht nur der Inflation, Gold ist auch bei Bankenpleiten und anderen Zahlungsausfällen ein Fels in der Brandung.

Wäre es da nicht naheliegend, Stimmung gegen Gold zu machen? Zum Beispiel durch einen inszenierten Goldpreisrutsch? Die Fakten über Gold, Währungen, Schulden und Banken lassen sich nicht ändern, aber die Wahrnehmung von Gold ließe sich durch einen Goldpreisrutsch verändern.

Euro, Dollar, Yen und Pfund inflationieren. Das Programm der US-Notenbank ist auf rund eine Billion Dollar Frischgeld jährlich angelegt, die japanische Notenbank druckt 1,4 Billionen Dollar in den kommenden zwei Jahren.

Für alle, die die Relationen verloren haben: Damit wird sich die japanische Geldmenge verdoppeln. Selbst dem König der Spekulanten, George Soros, lief es dabei kalt den Rücken herunter und er warnte, die Abwertung der japanischen Währung könne außer Kontrolle geraten.

“Wenn der Yen zu fallen beginnt, was er getan hat, und die Leute in Japan realisieren, dass dies anhalten wird, werden sie ihr Geld ins Ausland bringen wollen. Dann könnte die Abwärtsbewegung zu einer Lawine werden,“ erklärte Soros auf CNBC. Die Sorge des Maestro ist nicht ganz uneigennützig: Wenn eine Papiergeldwährung wirklich kippt, dann können andere folgen.

http://www.reuters.com/article/2013/04/04/us-japan-economy-boj-idUSBRE93216U20130404

Der norwegische Staatsfonds, mit fast 0,5 Billionen Euro einer der größten Anleger der Welt, hat schon vor einigen Wochen die Reißleine gezogen: Raus aus Dollar, Yen, Pfund und Euro. Da bleiben nicht viele Alternativen.

Die Aussicht auf Inflation gepaart mit maroden Banken und dem Wegfall der Sparergarantie für Vermögen über 100.000 Euro sind ein teuflisches Gemisch. Ein Bekannter sagte mir, dass er aufgehört hat, Lotto zu spielen. Falls er den Jack Pot gewinnen würde, hätte er nur Probleme mit den Millionen.

Veränderung der Realität oder Veränderung der Wahrnehmung?

Wie kann man verhindern, dass Sparer angesichts dieser teuflischen Gemengelage in Panik geraten? Die Realität lässt sich kaum ändern, aber die Wahrnehmung der Realität? Das könnte klappen.

Die Veränderung der Wahrnehmung ist ein uralter Trick. Ein befreundeter Unternehmensberater erklärte mir damals, warum BMW und Mercedes eigene Pannendienste einrichten: „Die wollen ihre Autos aus der ADAC-Pannenstatistik raushaben.“

Wenn ein havarierter Mercedes-Fahrer vom werkseigenen Pannendienst abgeschleppt wird, erscheint der Fall nicht in der Statistik des ADAC. Auto-Marken mit eigenen Pannendiensten steigen in der Pannenstatistik auf. Für viele Autofahrer war die ADAC-Statistik vor Jahren praktisch die Realität. Wenn man die Wirklichkeit nicht ändern kann, ändert man deren Wahrnehmung.

Hatte Mercedes eine Manipulierung der Pannenstatistik nötig? Leider ja.

Der „Spiegel“ ätzte 2011 über die Qualitätsproblemen bei der Stuttgarter Automarke: „Mercedes E-Klasse als Gebrauchter: Die Rache des Jürgen E. Schrempp.“

Über die Kommentarfunktion meldete sich ein Mercedes-Fahrer zu Wort: „Bei meinem E400 (Bj. 2005) sind damals, nach zweieinhalb Jahren und nicht mal 50.000 km der Reihe um alle vier Luftfedern futsch gegangen. Jede einzelne lag bei 2.500 Euro. Kulanz seitens Mercedes: Null. In den 2 Jahren, in denen ich das Auto gefahren habe, bin ich 15.000 Euro an Reparaturkosten (ohne Wartung) losgeworden.“ Jemand aus meinem persönlichen Umfeld berichtete von einem nagelneuen Mercedes, der angeblich „nur in der Werkstatt“ steht.

Im Spiegel-Forum heißt es weiter: „An der schlechten Langzeit-Qualität und unterdimensionierten Kleinwagenteilen hat sich bis heute nicht viel verändert. Drum wird der Pannendienst von Mercedes Benz selbst ausgeführt – damit können Qualitätsmängel verheimlicht werden.“

Die Idee, die Pannenstatistik des ADAC zu „entlasten“, war vor Jahren eine Insider-Information, nun pfeifen es die Spatzen von den Dächern.

Erinnert Sie die manipulierte ADAC-Pannenstatistik auch an die Inflationsstatistik? Der Staat oder die EZB kann die Teuerung nicht aufhalten, aber die Wahrnehmung der Inflation über die Inflationsstatistik kann eine Zeit lang manipuliert werden. Nicht meckern, das sind alle Menschen, die nur ihre Arbeit machen, abends ihren Kindern die Locken streicheln und möglicherweise Unmengen an Schmerz- und Schlaftabletten schlucken. Aber niemand zwingt uns, diese Manipulationen zu glauben.

Manipulation der Inflationsstatistik, Manipulation des Goldpreises, Manipulation der ADAC-Statistik – Sie mögen diesen ganzen Kram nicht? Zu viele halbgare Vermutungen? Dann muss ich wohl, bevor wir zur Goldpreismanipulation kommen, doch einmal selbst aus dem Nähkästchen plaudern. Ich habe auch schon einmal eine Manipulation eingefädelt.

Ich arbeitete damals bei einem börsennotierten Konzern als Leiter einen kleinen Abteilung, die die Verantwortung für strategisches Marketing und Marktforschung hatte. Eines Tages kam eine einflussreiche Person des Konzerns zu mir und stellte mir einige Fragen, deren Sinn ich zuerst nicht recht verstand. Ich versuchte die Fragen zu beantworten, dann erkannte ich, worum es ging: In einer wichtigen Fachzeitschrift gab es eine Art Leserumfrage. Die Leser wählten in mehreren Marktsegmenten den „Anbieter des Jahres“ und mein Gegenüber wollte wissen, ob es rein technisch machbar sei, diese Umfrage zu manipulieren. Bester Anbieter konnten wir ohnehin nicht werden, aber der Konzern wollte sicherstellen, nicht zum schlechtesten Anbieter gewählt zu werden.

Da die Umfrage für die Endkunden nicht relevant war, sondern es sich eher um eine Nabelschau der Branche handelte, hatte ich wenig Skrupel. Rein technisch war die Umsetzung der Manipulation durchaus anspruchsvoll. Ich musste die Auflage der Fachzeitschrift herausfinden, was nicht ganz einfach war. Kenner der Branche wissen: Fast alle Auflagenzahlen sind manipuliert.

In der Zeitschrift befanden sich Teilnahmekarten für die Umfrage. Ich errechnete, wie viele Zeitschriften wir kaufen mussten und wie viele Karten wir abschicken müssten, um einen nennenswerten Einfluss auf die Umfrage zu nehmen. Das waren gar nicht so viele. Dann musste ich sicherstellen, dass die fiktiven Umfrageteilnehmer nicht als Fakes entlarvt werden.

Bei drei Dutzend Abfragepunkten wäre es sicher aufgefallen, wenn wir überall die gleichen Antworten gegeben hätten. Deswegen musste ich für den Fragekatalog ein realistisches Antwortverhalten für ungefähr 250 fiktive Personen erfinden.

Nach sozio-demografischen Merkmalen erstellte ich typische Antwortmuster. Am schwierigsten war, einige Dutzend verschwiegene Mitarbeiter heranzuziehen, die mit eigener Schrift ihre Absender bei den Antwortkarten eintrugen. Auch die regionale Streuung der Absender war eine Herausforderung.

Um es kurz zu machen: Alles lief glatt, die Platzierung bei der Wahl zum „Anbieter des Jahres“ entsprach den Wünschen meines Auftraggebers. Meine Freundin, die ich als fiktiven Absender für das Projekt zwangsrekrutiert habe, gewann sogar einen der Sachpreise der Leserumfrage. Und wenn ich durch die Bild-Zeitung richtig informiert bin, dann wird bei „Deutschland sucht den Superstar“ und ähnlichen Sendungen ebenfalls die Wahlentscheidung der Zuschauer manipuliert.

Alles kriminell? Dann habe ich noch ein schöneres Beispiel aus der Marketing-Geschichte über eine verzerrte Wahrnehmung. Die Ayinger Privatbrauerei vor den Toren Münchens fiel vor vielen Jahren durch eine Werbekampagne auf, die die Münchener Platzhirsche das Fürchten lehrte. Egal wo man in München stand und ging, warben großflächige Plakate für Ayinger Bier. Die Werbekampagne war erfolgreich und die Konkurrenz rätselte, wie die kleine Brauerei eine solche Marketingoffensive stemmen konnte. Was sie nicht wussten: Findige Marketingverantwortliche hatten sich die Arbeit gemacht und an Münchener Straßen und Kreuzungen den Verkehr und die vorbeieilenden Passanten gezählt. Damals kostete die Buchung jedes Plakats gleich viel. Ayinger buchte nur an den Stellen, an denen viele Menschen waren. So konnte Ayinger mit kleinem Budget bei den Kunden und der Konkurrenz den Eindruck erwecken, ein großer Player zu sein. Das klingt nett, im Kern geht es aber darum, dass Kunden und Konkurrenz eine verzerrte Wirklichkeit wahrnahmen.

Ich kenne mich also durchaus ein wenig mit Manipulationen aus. Auch die Herren über Euro, Dollar und Yen wollen bei der „Wahl zum Anbieter des Jahres“ ungerne auf Platz 90 landen, wenn Gold auf Platz 1 landet, wie in manchen Vorjahren.

Goldpreismanipulation?

Doch wie lässt sich der Goldpreis manipulieren? Stellen wir uns einmal vor, auf dem Münchener Oktoberfest käme jemand auf die Idee, den Bierpreis zu manipulieren: 1971 kostete ein Oktoberfest-Bier 1,25 Euro, 1992 waren es 4,05 Euro, 2011 waren es 8,70 Euro und 2012 waren es 9,10 Euro.
Das ist Inflation, keine Frage.

Wäre es nicht angebracht, wenn die EZB endlich mit einer Bierpreis-Manipulation einschreiten würde? Die nächste „Wiesn“ mit den Bierpreisen von 2004, das wäre doch was!

Was würde passieren? Anders als bei der Goldpreisdrückung käme es nicht zu einer Marktpanik. Die Oktoberfest-Besucher würden sich nicht zweimal bitten lassen und kräftig zulangen.

Und beim Goldpreis? Warum bricht beim Goldpreis keine Mordsgaudi aus, wenn der Goldpreis nach unten manipuliert wird?

Gold wird als „Finanzanlage“ wahrgenommen und unterliegt den Marktgesetzen von Finanzanlagen. Die meisten Menschen mögen Gold, Immobilien oder Aktien nicht „an sich“, sondern sie möchten Gold, Immobilien und Aktien besitzen, weil diese „im Wert steigen“. Der Sinn einer „Finanzanlage“ ist es, Arbeit zu speichern. Wenn ich heute mehr verdiene, als ich verbrauche, speichere ich die Ersparnis in einer „Finanzanlage“. Im Idealfall sollte ein Sparer, der 1992 auf ein Bier verzichtet und das Geld spart, bei der Auflösung der Finanzanlage mindestens ein Bier erhalten. Um das zu erreichen, musste ein Sparer zwischen 1992 und 2012 ein Nachsteuer-Plus von 124 Prozent erziehen (11,23 Prozent pro Jahr.)

Gold zeigt – ähnlich wie der Bierpreis – die Inflation an. Gold ist aber auch ein ausfallsicheres Asset. Ein niedriger Goldpreis zeigt allgemein an, dass in der Finanzwirtschaft alles in Ordnung ist. Ein hoher Goldpreis deutet auf Risiken hin, sei es durch Kaufkraftschwund oder durch Zahlungsausfall.

Über Banken und Währungen ließen sich viele Worte verlieren. Mega-Spekulant Soros bezeichnete 2009 das US-Bankenssystem als „im Grunde brankrott“. Der norwegische Staatsfonds zieht sein Kapital aus Euro, Dollar, Pfund und Yen ab. Soviel zu Banken und Währungen. Noch Fragen?

Diese unschöne Realität lässt sich nicht ändern. Was sich jedoch ändern lässt, ist die Wahrnehmung von Gold.

Vielleicht begann die Goldpreismanipulation am 8. April 2013, als der systemisch vernetzte Mega-Spekulant George Soros gegenüber der „South China Morning Post“ erklärte, dass der Status von Gold als „sicherer Hafen“ zerstört wurde.

Zwei Tage später, am Freitag dem 10. April, kam es an der New Yorker COMEX zu ungewöhnlich  hohen Umsätzen, auch an der LBMA in London dürfte es ungewöhnliche Marktaktivitäten gegegeben haben. Die Londoner Goldbörse LBMA ist, was Preisfindungen und Umsätze betrifft, extrem intransparent. Aber an der COMEX sind die Zahlen bekannt: Alleine am Freitag wechselten – auf dem Papier – 1140 Tonnen Gold des Besitzer.

Der Goldpreis fiel in Dollar gerechnet um 5,2 Prozent, auf Eurobasis sackte der Goldpreis um 5,29 Euro ab.

Minus 82,60 Dollar Tagesverlust meldete Finanzen.net am späten Freitagabend. Der Goldpreis lag zum Ende der Handelssession bei 1478,80 Dollar/Unze.

Dieser mehr als kräftige Preisrutsch passierte in einem ansonsten eher ruhigen Umfeld. Aktien und Devisen verhielten sich unauffällig – anders als 2008.

Das „Handelsblatt“ brachte den Goldpreisrutsch am Freitag mit der Nachricht in Zusammenhang, dass die zyprische Notenbank ihr Gold verkaufen muss. Zypern besitzt rund 14 Tonnen Gold.

Es darf geschmunzelt werden. Außerdem wurde kolportiert, „Investoren“ würden Gold auf den Markt werfen, weil die Konjunktur in Amerika anzieht, auch über Gewinnmitnahmen indischer Anleger wurde spekuliert.

Spannend wurde es erst, als bekannt wurde, wer sich da am Freitag an der COMEX in Zeug gelegt hat. Die US-Investment-Bank Merrill Llynch verkaufte am Freitag zur Börseneröffnung 4 Millionen Unzen, das sind 124,4 metrische Tonnen Gold.

Ich habe nichts dagegen, dass Merryll Llynch Gold verkauft, aber auffallend ist die glatte Zahl: Wer verkauft schon 4 Millionen Unzen? Das ist so wie ein Verkaufsauftrag über 1.000.000 Aktien, 200 Gewerbeimmobilien oder 4,0 Mio. ha Ackerland. Im normalen Leben gibt es keine glatten Zahlen.

Niemand weiß, ob die Kontrakte, die Merryll Llynch in den Markt drückte, mit echtem Gold hinterlegt sind oder ob die Bank „naked shorts“ verkaufte. Ob es sich um Kundenbestände, eigenes Gold,  Zentralbankgold oder geliehenes Gold handelt, ist nicht bekannt. An dieser Stelle drängt sich der Gedanke auf, warum gerade die niederländische Bank ABN Amro ihren Gold-Konten-Inhabern schrieb, dass sie zukünftig kein physisches Gold mehr anfordern können.

Charttechnisch ist der Preisrutsch ein echtes Phänomen: Es gibt gar kein Chartbild, der Preis fällt einfach nach unten.

Goldpreis in Dollar 1 Jahr

Goldpreis in Dollar 1 Jahr (Quelle: Comdirect)

Zwischen Freitag, 8:35 Uhr und Montag, 22:30 Uhr sank der Goldpreis auf Dollarbasis um 13,85 Prozent, von 1561,97 Dollar auf 1345 Dollar.

Eine interessante Beobachtung habe ich gemacht: Während auf Bloomberg.com berichtet wurde, asiatische Anleger würden sich vom Gold abwenden, berichtete eine Shanghai Daily, chinesische Goldkäufer würden die Juweliere und Goldgeschäfte stürmen, um die gefallenen Preise zu auszunutzen.

Seit Beginn der vergangenen Woche nimmt die Rand-Refinery in Südafrika, das ist die Prägeanstalt des Krügerrands, keine Bestellungen mehr entgegen. Das Kontingent für April sei ausverkauft, weitere Erklärungen dazu gibt es dazu nicht.

Was würde passieren, wenn wir übermorgen aufwachen, die Morgenzeitung lesen und feststellen, dass der ganze Spuk vorbei ist? Gold steht wieder bei 1580 Dollar.

Es gibt etwas, was bleiben würde. Wenig informierten Anlegern wird Gold für eine ganze Weile vergällt sein. Auch jährliche Preissteigerungen von 30 oder 40 Prozent würden wenig Strahlkraft entfalten, weil die Anleger unterstellen würden, Gold sei ein „heißes Asset“, das morgen auch wieder zusammenbrechen kann.

Damit ist eine massenhafte Flucht von Kapital ins Gold erst einmal unwahrscheinlicher geworden. Da es an Alternativen mangelt, werden Sparer in den Industrienationen dem Abschmelzen ihrer Guthaben zusehen und nicht aktiv werden.

Ist nun die Zeit für die Schäppchenjagd gekommen? Am 10.-11. Mai 2013 wird das Treffen der G7-Finanzminister stattfinden. Frühere Manipulationen waren oftmals zeitlich mit solchen Meetings koordiniert. Außerdem hat Goldman Sachs gerade ein neues Kurziel für Gold herausgegeben: 1200 Dollar/Unze. Es darf also mit Tradern gerechnet werden, die mit Trading-Instrumenten versuchen, das vermeintliche Kursziel zu erreichen. Das Glattstellen dieser Positionen wird irgendwann die erste Gegenbewegung des Preisverfalls auslösen – falls die COMEX dann noch geöffnet hat.

Irgendjemand hat übrigens gerade 1140 Tonnen Gold gekauft: Wenn das keine bullische Nachricht ist! Am Freitag wurden an der COMEX nämlich nicht nur 1140 Tonnen Gold verkauft, sondern es gab auch eine Gegenseite, die offensichtlich gute Gründe hatte, 1140 Tonnen Gold zu kaufen.

Kein Verkauf ohne Käufer.

Was fällt noch auf? Im Vorfeld des Ausverkaufs gab es an der New Yorker Comex ein seltsames Phänomen: Marktteilnehmer zogen physisches Metall aus den Lagerhäusern der COMEX ab. Es wird mehrfach berichtet, dass vor allem Asiaten Anteile von Gold-ETFs verkaufen und dafür physisches Material kaufen.

Warum wird in den führenden Medien praktisch nicht erwähnt, dass es sich beim Goldpreisrutsch um eine Inszenierung handeln könnte? Unser Gehirn ist so angelegt, dass es nur das wahrnimmt, was zum bereits vorgegebenen Bild passt.

Es gibt ein bekanntes Experiment aus der Gehirnforschung: Probanden sollen einen 30-sekündigen Film mit der Übertragung eines Basketball-Spiels verfolgen. Drei Spieler tragen weiße Shirts, drei Spieler tragen schwarze Shirts. Die Aufgabenstellung an die Probanden lautet: „Zählen Sie die Pässe, die sich die Spieler mit den weißen Hemden gegenseitig zuspielen. Ignorieren Sie die Basketballspieler in den schwarzen Trikots.“ Die beiden Team spielen munter, doch ein Player passt nicht ins Bild. Ein als Gorilla verkleideter Mann läuft mehrfach durch das Spiel.

Nach dem Experiment werden die Probanden nach dem Gorilla gefragt: Nur die allerwenigsten Menschen sehen den Gorilla. „The invisible Gorilla“ heißt das Experiment.

Aus ähnlichen Gründen sieht der Markt die Goldpreismanipulationen nicht, er würde sie nicht einmal sehen, wenn sie in Gestalt eines Gorillas über das Börsenparket laufen würde. Das ist keine Ignoranz oder Dickfälligkeit, sondern das sind die Grenzen unserer Wahrnehmungsfähigkeit.

Einer der Gorillas, die durch das Bild laufen, ist z.B. das Anziehen der Gold-Lease-Rates, ein Phänomen, das in der Vergangenheit immer auf bevorstehende systemische Großereignisse hinwies.

Man könnte über diejenigen schimpfen, die die Manipulation einfädeln, doch das würde zu kurz greifen: Auch das sind alles Menschen, die ihre Arbeit machen, die vermutlich abends ihren Kindern oder Enkeln die Locken streicheln und vor dem Schlafengehen Schmerz- und Schlaftabletten schlucken. Jeder, der mehr über die Zukunft weiß, als Hobby-Anleger und das Handelsblatt, dürfte angesichts der Fundamentaldaten unter erheblichen Kopfschmerzen leiden.

Marc Faber, der größte Kritiker der US-Notenbank, schimpfte während der Hong Konger Goldkonferenz 2012 über Ben Bernanke, um dann einen interessanten Nebensatz einzufügen, den man auf Bloomberg und CNBC noch nie gehört hat: He has no other option. Er hat keine andere Option.

Für Gold gilt das alte Rittersprichwort: „Viel Feind, viel Ehr.“ Die Angriffe auf den Goldpreis zeigen, dass Goldanleger in der Sache richtig liegen.

Quellen der Woche:

B. Meyer

Der Autor dieses Artikels ist unter meyersgoldwoche@t-online.de erreichbar.

Der Autor ist ein langjähriger erfolgreicher Privatinvestor mit antizyklischer Anlagestrategie und fundamentalanalytischem Ansatz. © 2013 B. Meyer. Reproduktion und Publikation nur mit Zustimmung des Autors oder des Gold-Super-Markts, Zitate unter Verwendung der Quellenangabe.

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  • Peter

    Super Artikel, vielen Dank!

    Hier noch ein interessantes Video aus der ZDF-Mediathek:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1880466/Der-Goldtransport#/beitrag/video/1880466/Der-Goldtransport

    Als ich den Beitrag sah, staunte ich nicht schlecht: Was vor wenigen Wochen im Mainstream Verschwörungstheorie war, wird hier mit einer Selbstverständlichkeit gezeigt, die mich wirklich beeindruckt. Es gilt auch hier der alte Satz: Die Verschwörungstheorie von gestern (heute) ist die Realität von heute (morgen).


    Vielleicht wird man in einigen Jahren den Kindern erzählen, daß es mal einige Jahrzehnte ungedecktes Papiergeld gab und diese werden sich die Augen ungläubig reiben…

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  • Weingart

    Man merkt, dass der Artikel mit der heissen Nadel gestrickt wurde: hier und da sind fehlt mal ein Wort oder ist eines zuviel, vorallem im zweiten Teil. Der 10.4. war übrigens kein Freitag ;-)

    Trotzdem Danke für die Darstellung von Meyers Sicht der Dinge.

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    • awill

      Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht ;-)

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  • Weingart

    Stichwort “Soros”, der in diesem Artikel auch mehrfach erwähnt wurde.

    Gestern abend meldete Reuters zeitweise den Tod von Soros: “George Soros, who died XXX at age XXX, was a predatory and hugely successful financier and investor, who argued paradoxically for years against the same sort of free-wheeling capitalism that made him billions.”

    Wenn man ein Anhänger von Verschwörungstheorien wäre, könnte man auf diese – mittlerweile zurückgezogene – Falschmeldung interessante Konstrukte aufbauen…

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