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Tut Sie es oder tut Sie es nicht? Sie tut es, sie druckt neues Geld. Nach dem mit Spannung erwarteten Meeting der U.S.-Notenbank Federal Reserve („FED“) wurde am Dienstagabend bekannt geben, dass die U.S.-Notenbank neues Geld ins System injizieren wird.
Das FED-Meeting am Dienstag war das für den Goldmarkt dominierende Ereignis der Woche. Wegen einer Reise kommt mein Wochenbericht heute schon am Freitag.
Was die Geldspritzen der FED mit Gold zu tun haben? Gold ist der natürliche Gegenspieler von Papiergeld (und Papiergeldschulden). Jede Ausweitung der Geldmenge legt den Grundstein dafür, dass sich Geldmenge und die verfügbare Menge an Sachwerten neu ausbalancieren, d.h. die Preise passen sich an die erweiterte Geldmenge an, sie steigen.
Aktien, Gold, Rohstoffe und gefragte Immobilien sind üblicherweise die ersten Sachwerte, deren Preise sich an die erweiterte Geldmenge anpassen. Wenn die gestiegenen Rohstoffpreise irgendwann auf die Endkundenpreise von Konsumartikeln durchschlagen, spricht die offizielle Statistik von Inflation. Die Inflation (wörtlich: Aufblähung) hat natürlich schon vorher stattgefunden. Steigende Endverbraucherpreise sind die letzte Konsequenz der Inflation.
Gold spielt in diesem Szenario eine doppelte Rolle. Bis 2008 wurde es an den Märkten als Rohstoff wahrgenommen, wie Platin, Kupfer, Blei oder Erdöl. Rohstoffe sind Sachwerte und der Markt begleitete die Aufblähung der Geldmenge von 2004 bis 2008 mit steigenden Rohstoffpreisen. Seit der Euro-Krise im Frühjahr 2010 hat sich Gold von anderen Rohstoffen abgekoppelt und wird von einer breiten Schicht von Anlegern wieder als harte Devise wahrgenommen, als alternative Währung. Devisen werden anders als Rohstoffe nicht verbraucht. Sie zirkulieren als Zahlungsmittel oder werden als „Store of Value“ gehortet, je nach Bedarf.
Die Entscheidungen der U.S.-Notenbank führten bei Euro, Dollar, Gold und Aktien zu heftigen, teils widersprüchlich erscheinenden Bewegungen, die den unerfahrenen Anleger verwundern dürften – Grund genug, einige dieser Bewegungen einmal unter die Lupe zu nehmen.
Im Vorfeld des FED-Meetings antizipierten zahlreiche Marktteilnehmer mögliche gigantische Gelddruck- und Konjunkturprogramme. Diese Antizipationen brachten den Dollar unter Druck und bescherten dem Euro eine unverdiente Stärke. Erinnerungen an monatelange Dollarschwächen in früheren Jahren wurden wach. Selbst im seriösen „Handelsblatt“ kam es zu der Fehlinterpretation, dass der Euro nun „gerettet“ sei.
Was hat die FED nun genau bekannt gegeben und warum ist der Dollar gestiegen? Wer sich für die Details der neuen FED-Programme interessiert, wird in den gängigen Finanzzeitungen fündig. Goldkommentator Jon Nadler nennt die neuen Maßnahmen „mild Quantitative Easing“, ein „sanftes“ Gelddruckprogramm, das weit entfernt ist von den billionenschweren Frischgeldinjektionen des Herbstes 2009. Die FED-Mitteilung enthielt jedoch die entscheidenden Worte „Quantitative Easing“ – quantitative Erleichterung - was für Maßnahmen steht, neues Geld ins System zu bringen. „QE“ ist zum Synonym für die Aushöhlung der Papiergeldwährungen geworden, ein Reizwort für Besitzer von Papiergeldvermögen. Wenn diese Worte in einer FED-Mitteilung auftauchen, entscheiden hunderttausende Intraday-Trader in Sekunden, dass sie Gold-Kontrakte erwerben möchten. Die Nachfrage steigt und der Kurs schießt nach oben.
So ist es auch am Dienstagabend passiert. Da aber die Intraday-Trader kaum länger als ein paar Minuten bei der Stange bleibt, kommt es nun darauf an, wie sich die Fundamentalinvestoren verhalten: und die lesen sich die FED-Mitteilung bis zum Schluss durch. Nachdem sich das Schreckensszenario neuer Papiergeldberge als unbegründet erwies, begann der Goldspotpreis zu bröckeln, die Sorgen um die Stabilität des Dollars ließen nach und der Markt konzentrierte sich auf die Konjunktureinschätzung der Notenbank. Und die hatte es bei genauerer Betrachtung in sich.
Zwar waren die Sätze der FED-Mitteilung wie gewohnt bis zur die Unkenntlichkeit verschwurbelt, aber eine etwas couragierte Übersetzung des Textes dürfte lauten: „Die Konjunktur in den USA bricht ein, Konjunkturprogramme und frisches Geld haben nichts gebracht. Wir haben unser Pulver verschossen.“
Für pessimistische Kommentatoren sind die USA bereits seit 2009 in einer Depression, die nur durch massive Konjunkturprogramme übertüncht wurde. Schwer fälschbare Kennziffern wie die Zahl der Empfänger von Lebensmittelmarken zeichneten seit Monaten ein viel pessimistischeres Bild als die offiziellen Statistiken, die mit esoterischen Methoden die Zahl der Arbeitslosen und die Inflationsrate halbierten. Das Schockierende an der FED-Mitteilung ist nicht die offizielle Wiederkehr der Rezession, sondern das Eingeständnis des Scheiterns der Geldgötter.
EuroStoxx: minus 3,19%, Dow Jones minus 2,03%, Öl minus 1,97%, Euro vs. Dollar minus 2,28%, so sah der Tag nach dem FED-Meeting aus. Gold behauptete sich bei stärker werdendem Dollar mit einem kaum nennenswerten Tagesverlust von 0,35%. In diesem Umfeld kann man das schon als relative Stärke bezeichnen.
Investoren gaben die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung in den USA auf und stießen Rohstoffe und Aktien in großen Mengen ab. Da ein sehr hoher Anteil der Investitionen kreditgehebelt ist, geht der Abbau von Aktien- und Rohstoffpositionen mit einem Zurückzahlen von Krediten einher. An solchen Tagen brauchen Spekulanten Dollars um ihre offenen Positionen zu schließen. Und obwohl die Zukunft für die USA am Mittwoch weit düsterer als am Dienstag aussah, führte das Gesetz von Angebot und Nachfrage zu einem steigenden Dollarkurs. Europäische Konjunkturdaten waren m.E. in diesem Umfeld sekundär.
Der steigende Dollarkurs ist derzeit nicht das Ergebnis durchdachter Investmententscheidungen, sondern einer Flucht aus Aktien und Rohstoffen. Der Dollar ist nur eine liquide Durchgangsstation.
Wie der Markt Gold im Umfeld einer U.S.-Depression oder zweiten Rezessionswelle („Double-Dip“) sehen wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Falls die Denkmaschine der Börsen in den kommenden Wochen die „Double Dip“-Story weiter diskutiert, wird der Tag kommen, an dem rezessionsbedingte Steuerausfälle in den USA zu einem Thema werden. Und dann wird ein Teil des Marktes das counterpartfreie Gold den ausfallgefährdeten Staatsanleihen vorziehen.
Diskussionen um einen möglichen Staatsbankrott der USA waren bisher der beste Weg, um sich auf jeder Cocktail-Party ins Abseits zu spielen und als Schwarzseher zu outen. In seinem Artikel im Wall Street Journal vom 18.Juni erklärt nun jedoch auch der ehemalige FED-Chairman Alan Greenspan, dass die USA niemals ihre Schulden zurückzahlen können. Stoff zum Nachdenken! Falls Ihnen manches in dem Artikel unklar und verworren vorkommt: das ist Alan Greenspans Markenzeichen. Er soll einmal gesagt haben: „Sie haben mich verstanden? Dann habe ich mich nicht unklar genug ausgedrückt.“
http://online.wsj.com/article/SB10001424…2247772540.html
Die vier großen amerikanischen Banken, die an der COMEX massiv auf den Rückgang des Goldpreises wetteten, haben übrigens 20% ihrer „Short-Kontrakte“ (d.h. ihrer Wetten auf sinkende Kurse) glattgestellt. Das ist ein Fingerzeig, dass diese gut informierten Marktteilnehmern ein weiteres Sinken des Goldpreises für unwahrscheinlicher als in der Vorwoche halten.
Am Donnerstag gewann der Goldpreisanstieg Momentum und schloss nahe am Tageshöchstkurs von 1216,17 U.S.-Dollar. Auffallend ist, dass zu den Handelszeiten der COMEX ab 13 Uhr deutscher Zeit Gold gefragter war als am Vormittag, wenn der Goldspotpreis durch den Handel mit physischem Gold an der Londoner Edelmetallbörse dominiert wird. Das ist ein Zeichen, dass ein Teil der Marktteilnehmer Goldkontrakte gegenüber echten Londoner Goldbarren bevorzugt.
Das kann darauf hindeuten, dass Investoren, die mit Goldlagerung nichts am Hut haben, auf steigende Goldpreise spekulieren. Oder dass Spekulanten, die bisher an der COMEX auf fallende Kurse gewettet haben, ihre Leerverkaufspositionen glattstellen.
Die wieder gewonnene Stärke des gelben Metalls gibt Goldanlegern kurzfristig das gute Gefühl, in der richtigen Assetklasse investiert zu sein. Das ist ein guter Zeitpunkt, um schwache Geister, z.B. Ehefrauen, über den aktuellen Stand der Goldinvestition zu informieren. Davon abgesehen sind Fundamentalanleger jedoch gut beraten, sich vom kurzfristigen Market Sentiment und den Ratschlägen von Bankberatern, Schwiegervätern und Börsen-Gurus abzukoppeln.
Irgendwann im Sommer 2007 stand NTV-Kommentator Markus Koch auf dem Parkett der New Yorker Börse, fuchtelte fast so gut wie die Bloomberg-Kollegen mit den Händen und
erklärte: „Die Subprime-Story ist an den Märkten ausdiskutiert.“ Wenn ich mich recht erinnere, prognostizierte er sogar steigende Kurse. Markus Kochs Aussage basierte damals auf einem kurzfristigen positiven Market Sentiment. Er erfasste nicht, dass Subprime nur die Spitze des Eisbergs „Überschuldung“ war.
Der immer noch recht ruhige Sommer 2010 sollte für langfristig denkende Anleger eine gute Gelegenheit sein, sich einmal Zeit zu nehmen, um gesammelte Informationen zu bewerten und langfristige von kurzfristigen Entwicklungen zu trennen. Danach sollte man an die persönliche Situation angepasste Schlussfolgerungen ziehen und über Größe und Funktion des eigenen Edelmetallengagements nachdenken.
B. Meyer
Der Autor dieses Artikels ist unter meyersgoldwoche@t-online.de erreichbar.
Der Autor ist ein langjähriger erfolgreicher Privatinvestor mit antizyklischer Anlagestrategie und fundamentalanalytischem Ansatz. © 2010 B. Meyer. Reproduktion und Publikation nur mit Zustimmung des Autors oder des Gold Supermarkts, Zitate unter Verwendung der Quellenangabe.
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