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Wofür sparen wir? Nach einer Studie der Allianz sparen 70 Prozent der deutschen Bürger gelegentlich, die Hälfte aller Deutschen spart regelmäßig. Das Sparziel Nummer Eins ist nicht das Traumauto oder die Ferienimmobilie, sondern – die Altersvorsorge. Indien hat eine ähnlich hohe Sparquote wie Deutschland. Statt „Allianz-Privatrente“ setzen die Inder auf Gold: ein Drittel des Nettoeinkommens sparen Inder und ein Drittel der Ersparnisse legen sie in Gold an.
Die zehnjährige Diskussion über „Rentenlücke“ und „Privatvorsorge“ hat in Deutschland Früchte getragen. Die Privatvermögen der Deutschen sind gestiegen – und erregen nun die Aufmerksamkeit der Kräfte, die nach neuen Finanzierungsquellen für Banken- und Staaten-Bail-Outs suchen.
Zu Beginn der Woche meldete sich das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ in Berlin zu Wort und schlug „eine stärkere Abschöpfung von privaten Vermögen vor, um die wachsende Staatsverschuldung in Deutschland in den Griff zu bekommen.“ (Welt Online, 13.12.2010)
Während die deutsche Staatsverschuldung in den letzten drei Jahren von 65 auf 75,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes („BIP“) gestiegen ist, nahmen Privatvermögen seit 1991 um 99% zu. (Unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes bedeutet eine Zunahme um 99% eigentlich nur, dass die Ersparnisse erhalten blieben.) Das reicht jedoch bereits, um bei den Wirtschaftsforschern, die als „Stichwortgeber“ der Politiker agieren, Begehrlichkeiten zu wecken.
Noch ist eine neue Vermögenssteuer entfernt. Sobald die deutschen Kredite für Griechenland, Irland und später Portugal und Spanien ausfallen und die KfW sowie die Luxemburger Stabilitätsfaszilität echtes Geld aus Berlin fordern, wird die Diskussion beginnen, wer die Rechnungen bezahlt.
Falls Ihnen bei den Worten „Abschöpfung von Privatvermögen“ Angst und Bange wird: Nein, das ist kein Alptraum von Franz Kafka. Wir reden hier über ein führendes Wirtschaftsforschungsinstitut, das als Ideengeber der Regierung gehandelt wird. Für Sparer, die sich eine Altersvorsorge mit der Allianz-Privatrente aufbauen wollten, dürften diese Entwicklungen enttäuschend sein, aber wie das Wort schon sagt: Ent-Täuschung ist das Ende einer Täuschung.
Was machen andere Menschen, die sich um die Zukunft ihrer Altersvorsorge sorgen?
Die Wochenzeitung „Zeit“ berichtet über eine griechische Buchhalterin, die noch vor Weihnachten in die Schweiz fliegen wird, um dort ein Konto zu eröffnen und ihr Geld in die Schweiz zu transferieren. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine McKinsey-Beraterin, die jahrelang hart gearbeitet hat und ihre beträchtlichen Ersparnisse nun verzweifelt „in Sicherheit“ bringen möchte.
Derzeit ist es für Individuen jederzeit möglich, Papiereuros gegen feine Schweizer Franken, Goldbarren, Silbermünzen oder australische Bergbauaktien zu tauschen. Bei Gold wird es schwierig, wenn man mehr als 20 Mio. € umtauschen möchte, bei Silber gibt es schon bei mehreren hunderttausend Euros Probleme, bei Schweizer Franken beginnen Probleme erst im Milliardenbereich.
In Griechenland und Irland ist die Zahl der Individuen und Firmen, die Angst um ihr Geld haben, so groß, dass die Banken Griechenlands und Irlands die Auszahlungswünsche ihrer Kunden nur noch bedienen können, indem sie bei der EZB ihre Kreditpakete und Assets gegen Zentralbank-Euros eintauschen. Eine vergleichbar große Kapitalflucht in Frankreich und Deutschland würde dazu führen, dass die Zentralbank an ihre Grenzen stößt. Wenn aus einzelnen Individuen, die Zweifel haben, ein größerer Strom wird, stößt unser Bankensystem an seine Grenzen.
Läuft derzeit ein Bank Run wie im Herbst 2008? Kanzlerin Merkel hat vor ihrem Abflug zum Brüsseler Krisentreffen ihre Garantie für die Sparguthaben in der Bildzeitung erneuert. Das lässt aufmerken. „Ja, was Herr Steinbrück und ich vor gut zwei Jahren gesagt haben, gilt und hat sich ja auch bewahrheitet. “
Dass dieses Bildzeitungsinterview durch Veröffentlichung auf der Website der Regierung eine offizielle Unterstreichung erfährt, ist ebenfalls ungewöhnlich. Noch im September 2010 hatte das Bundeskanzleramt auf Nachfrage der „Welt am Sonntag“ zur Spareinlagengarantie erklärt: „Die Frage stellt sich derzeit nicht, weil es keine akute Bedrohung für die Spareinlagen mehr gibt.“ Außerdem hieß es in der schriftlichen Stellungnahme der Regierung im September 2010: „Aus dem Kontext der damaligen Äußerungen werde klar, dass sich die Garantie auf die akute Situation im Herbst 2008 und die damaligen Sorgen vieler Menschen bezogen habe…Eine Unendlichkeitsgarantie kann eine solche Erklärung natürlich nicht haben.“ Ein Ehrenwort, auf das man Haus und Hof setzen kann, klingt anders.
Auch im Nachgang zu Merkels neuer „Sparergarantie“ erklärte Regierungssprecher Seibert in der letzten Woche, dass es sich um ein „politisches Bekenntnis“ handle. Nun denn. Niemand hat vor eine Mauer zu bauen.
Polit-Rentner Steinbrück war zwischenzeitlich schon offener, was die Regierungsgarantie für die Spareinlagen betraf. Er erklärte in einem Interview: „Wir wussten, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen. Um es deutlich zu sagen: Für eine solche Zusage fehlte uns eigentlich die Legitimation. Es gab keine Rechtsgrundlage und keinen parlamentarischen Rückhalt. Ich wundere mich bis zum heutigen Tag, dass die Parlamentarier hinterher nie gefragt haben: Um Gottes willen, was habt ihr da eigentlich gemacht?“
In meinem Wochenbericht vom 11. Oktober schrieb ich: „Die Nachricht, dass Horst Köhler ein neues Weltwährungssystem entwickeln soll, bedeutet vor allem eines: dass das derzeitige Weltwährungssystem erwiesenermaßen nicht funktioniert. Das sollte für jeden Kleinanleger Grund genug sein, aus diesem nicht funktionierenden System auszusteigen und Vermögen außerhalb des Systems zu speichern.“
Wer sich halbwegs an diesen Ratschlag gehalten hat, braucht wenig über einen Bank Run oder eine Sparer-Garantie nachzudenken. Wenn auch nur in einem Land der Eurozone Banken schließen und Vermögensverluste auftreten, dürfte die Nachfrage nach Gold so sehr steigen, dass der gestiegene Goldpreis anderweitige Vermögensverluste verschmerzen lässt.
Ist es nun an der Zeit, um in Panikkäufen die letzten Euros für Flachbildschirm-Fernseher auszugeben? Auf japanischem Flachbildschirm-Fernseher lastet eine Handelsmarge von 20%, außerdem 19% Mehrwertsteuer und der Einfuhrzoll in Höhe von 14%. Wer in Währungspanik einen Fernseher kauft, realisiert einen sofortigen 55-prozentigen „Haircut“ auf sein Vermögen.
Panik ist ein schlechter Ratgeber und Flachbildschirm-Fernseher sind vermutlich die denkbar schlechteste Flucht vom Papiergeld in Sachwerte.
Niemand kann Ihnen sagen, ob Euros auf den deutschen Giro-Konten bald als gefragte Hartwährung DM neu erglänzen oder im Treibsand von Inflation, Transferunion und Währungscrash versinken. Mit einem vernünftig strukturierten Vermögensaufbau sollten sich die Euro-Risiken für Sie in Grenzen halten.
Auch die absoluten Insider sind sich uneins. Im Zuge der Wikileaks-Enthüllungen wurde ein Statement des Chefs der Bank of England bekannt, der davon ausgeht, dass Deutschland und Frankreich den Euro halbwegs stabil halten werden. Am Wochenende wurde dagegen in der Schweiz bekannt, dass der dortige Chef der Notenbank ohne Intervention der Schweizer einen Kursrutsch des Euro bis auf 50 Rappen für möglich hält.
Während Schweizer Franken durch Kapitalflucht in den letzten Tagen dramatisch aufwerteten, hat der Goldpreis eine auffällige Schwäche gezeigt. Man muss kein Investment-Guru sein, um zu erkennen, dass der Goldpreis absichtlich abgekühlt wurde.
Wer bei sorgfältigem Durchdenken seiner Vermögensstruktur UND Liquiditätsplanung eindeutig den Eindruck gewinnt, dass sein Edelmetallengagement zu klein ist, findet bei Gold, Silber und Platin vertretbare Preise, um noch einmal eine Position nachzukaufen.
Aber noch einmal: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Die gleichen „Kunden“ die im Mai zum Höchstpreis Gold kauften, tauchten während der Goldpreis-Korrektur in der letzten Juni-Woche 2010 in den Internet-Foren auf und fragten, ob man Gold „sicherheitshalber“ abstoßen sollte.
Der Silberpreis ist überhitzt, hier droht kurzfristig die höchste Rückschlaggefahr, hier bieten sich aber langfristig auch die höchsten Chancen. Platin war vom Sommer 2009 bis zum Mai 2010 ein Mode-Metall für anglo-amerikanische Spekulanten, denen Gold zu pessimistisch und old style war („Is Platin the new gold?). Platin profitierte von anziehenden Konjunkturprognosen und Gerüchten um Probleme bei der Stromversorgung südafrikanischer Platinminen.
Derzeit ist Platin aus dem Fokus der Anleger geraten. Anders als Gold und Silber notiert Platin unterhalb des Hochs vom Frühjahrs 2010. Platin ist kein liquides Geldmetall wie Gold. Bei schlechter Konjunktur kann der Preis von Platin unter Druck geraten – wie 2008. Zwischen An- und Verkauf liegen grauenhafte Spreads und 19% Mehrwertsteuer. Aber anders als eine australische Bergbauaktie kann man Platin in einen Koffer packen oder für 30 Jahre counterpartfrei lagern. Wenn wir das nächste Mal in 30 Jahren eine hitzige Hochkonjunktur sehen und die Bäume in den Himmel wachsen, kann es durchaus sein, dass ein Industriemetall wie Platin ein Geldmetall wie Gold outperformt.
Zurück zu den Ereignissen der letzten Woche. In der letzten Woche haben laut Reuters eine oder mehrere Banken des Eurosystems Devisenreserven in Höhe von 400 Mio. Euro verkauft, außerdem wurden Goldreserven in Höhe von 29 Mio. Euro verkauft. Gleichzeitig wurden innerhalb einer Woche bei den Zentralbanken des Eurosystems Papiere in Höhe von 27,5 Mrd. Euro in die Bilanz genommen.
Solche Aktivitäten deuten darauf hin, dass nationale Notenbanken ihre Notreserven flüssig machen. Vermutlich helfen nationale Notenbanken wieder einmal aus und nehmen den Banken illiquide Assets ab, um die Banken liquide zu halten. Auch die Griechenland-Krise im Frühjahr war von ähnlichen Aktivitäten begleitet.
Französische Banken nutzten damals Gold, das Ihnen von Kunden zur Verwaltung übertragen worden war, um es bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gegen Dollars zu tauschen. Das verschaffte diesen Banken damals dringend benötigte Dollarliquidität.
Am 16.12.2010 wurde bei 1362 U.S.-Dollar der Wochentiefststand des Goldpreises erreicht, der Goldpreis beim Londoner Nachmittagsfixing lag zum Wochenschluss bei 1368.50 Dollar. Obwohl der Gold-in-Dollar-Preis zwischen Vormittagsfixing und Nachmittagsfixing sank, stieg der Gold-in-Euro-Preis um 5 Euro. Die Ursache für dieses Paradoxon: Am Nachmittag kam es an den Devisenmärkten zu einem „Filmriss“ beim Euro-Dollar-Wechselkurs. Die Ratingagentur Moodys stufte irische Staatsschulden um mehrere Stufen herunter, so dass Irland nur noch zwei Stufen über „Junk“ klassifiziert wird. Die Devisenhändler quittierten die kapitale Herabstufung Irlands mit Wetten auf einen fallenden Euro.
Die Probleme der Eurozone sind entsetzlich, aber die perfekt getimten Herabstufungen durch U.S.- Ratingagenturen lassen nur den Schluss zu, dass gezielt Europas Währung destabilisiert wird. Niemand zwingt Moodys dazu, Irland zur besten Sendezeit herabzustufen. Vorstände börsennotierter Unternehmen verkünden börsenrelevante Entscheidungen nach dem Schließen der Börse, um Verwerfungen zu vermeiden. Irland ist nicht Griechenland. Die drakonische Herabstufung Irlands während des Euro-Stabilisierungsgipfels ist eine offene Kriegserklärung der anglo-amerikanischen Finanzelite an Euro-Land.
Cui bono? Wem nützt es? Wenn Euro-Bond-Inhaber nervös werden, dann profitieren davon üblicherweise der Dollar und U.S.-Staatsanleihen.
Sowohl der Dollar, als auch die U.S.-Anleihen schwächelten in letzter Zeit. Der Kapitalzufluss nach Amerika, der notwendig ist, um das U.S.-Defizit zu finanzieren, wurde in den letzten Monaten bereits spürbar schwächer. Die Entscheidungsschlacht um den Euro wird in den Herzen der Deutschen ausgefochten. Ob und wann beim deutschen Kleinsparer die Sicherungen durchbrennen weiß weder die Wall Street, noch die Kanzlerin.
Am Freitag zog der Goldpreis sofort nach dem Schließen der Londoner Börse an und erreichte nachbörslich am späten Abend einen Tageshöchstkurs von 1379,75 Dollar, bei gleichzeitig steigendem Dollar. Am Montagmorgen stieg der Goldpreis auf über 1390 Dollar, das ist mehr als 1,6% höher als zum Londoner Wochenschlussfixing!
B. Meyer
Der Autor dieses Artikels ist unter meyersgoldwoche@t-online.de erreichbar.
Der Autor ist ein langjähriger erfolgreicher Privatinvestor mit antizyklischer Anlagestrategie und fundamentalanalytischem Ansatz. © 2010 B. Meyer. Reproduktion und Publikation nur mit Zustimmung des Autors oder des Gold Supermarkts, Zitate unter Verwendung der Quellenangabe.
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